Akademische Abgründe
JKU Edition

 

Passend zur Filmvorführung der ÖH „Akademische Abgründe – Rechtsextremismus im Hörsaal“, die man sich am 15.10.2024 zu Gemüte führen konnte, halte ich es für wichtig, sich mit unseren hauseigenen rechten Schandflecken an der JKU zu beschäftigen, die doch teilweise bis heute recht unbemerkt und leise vor sich hin stinken.

Selbstdarstellung der JKU

Lasst mich mit dem starten, was man auf dem Aushängeschild unserer Universität, der JKU-Website, dazu findet. Dort kann man unter dem Menüpunkt „Geschichte“ zum Thema Nationalsozialismus folgenden Satz finden:

„In der NS-Zeit schließlich werden große Pläne zur Errichtung einer Technischen Hochschule in der damaligen ‚Führerstadt‘ ausgearbeitet. Umgesetzt wird jedoch nur ein ‚Provisorium‘ im Stift Wilhering, sieben Kilometer von Linz entfernt.“

Nun wäre es unfair von mir zu suggerieren, dass das schon alles wäre, wo sich die JKU mit dem Nationalsozialismus am Uni-Standort beschäftigt hat, jedoch ist es zumindest das einzige, was sie werbewirksam nach außen kommuniziert. Man muss der Vollständigkeit halber anmerken, dass die JKU als Institution selbst den Nationalsozialismus nicht miterlebt hat. Mit 58 Jahren ist unsere Universität schlicht zu jung, um direkt von den Nazis beschmutzt worden zu sein.

Aufarbeitung zum 50. Jahrestag

Zum 50. Jahrestag (2016) wurde unter dem damaligen Rektor Meinhard Lukas eine Studie von Herman Rafetseder mit dem Titel „Zur Geschichte von Gelände und Umfeld der Johannes Kepler Universität Linz, unter besonderer Berücksichtigung der NS-Zeit im Raum Auhof–Dornach“ durchgeführt und präsentiert, welche die Vergangenheit des Campus-Geländes beinhaltet, außerdem die des nach wie vor bestehenden Gebäudes „Auhof“, wo heute unter anderem das Rektorat untergebracht ist.

Ich würde diesen Artikel gerne nutzen, um kurz anhand dieser Studie die Vergangenheit des „Aufhofs“, des Campusgeländes und seiner näheren Umgebung zu skizzieren. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass dies keinesfalls das Lesen der Studie ersetzt, und ich lege euch – als Student_innen der JKU – nahe, sie zu lesen oder zumindest zu überfliegen.

Aneignung des Geländes

Mehr oder weniger im Kern der JKU steht der historische „Auhof“, das tut er schon seit mindestens 1350, also seit gut 674 Jahren. Dort diente er die längste Zeit als Sitz für Adelige. Kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich unter Adolf Hitler (1938) bekundete die SS den Wunsch, nahe dem Auhof eine SS-Kaserne zu errichten. Zu diesem Zweck wurden dort großflächig Grundstücke gekauft – und zwar zumindest vereinzelt deutlich unter Wert. Zwar geschah das laut Berichten und Aussagen in diesem Fall freiwillig, allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass es wenig ratsam gewesen wäre, Kaufangebote des Deutschen Reichs abzulehnen. Der Auhof selbst wurde aus verschiedenen Gründen nicht direkt gekauft, allerdings wurde er regelmäßig von den Nationalsozialisten genutzt, als wäre er ihr Eigentum. So gab es dort z. B. zeitweise Wohnungen für Heeresangestellte. Sogar die sogenannte Linzer Heeresbehörde bezeichnete den Auhof 1940 in einem Dokument als „Reichseigentum“.

Arbeitslager

Um diese von der SS gewünschte Kaserne und andere Bauvorhaben zu verwirklichen, brauchte es natürlich Arbeitskräfte. Es wurde im Gebiet des heutigen Science Park 1 das sogenannte „Deutsche Arbeiterfront Lager“ gegründet, um Arbeitskräfte zu beherbergen. In diesem Lager wurde Platz für ca. 500 Arbeitskräfte geschaffen. Verwaltet wurde das Arbeitslager unter anderem aus einer kleinen NS-Behörde, welche ihren Sitz im Auhof hatte: Die sogenannte „Ortsverwaltung St. Magdalena der Deutschen Arbeiterfront“. Im Arbeitslager wurden sowohl reguläre Lohnarbeiter_innen als auch Zwangsarbeiter_innen eingesetzt. Dabei wurden vermehrt Männer, jedoch auch vereinzelt nachgewiesenermaßen weibliche Häftlinge, für die Zwangsarbeit eingesetzt. Die genaue Zahl der Zwangsarbeiter_innen lässt sich leider nicht mehr festmachen, da Zwangsarbeiter_innen hier nicht auf offiziellen Listen geführt wurden. Das Lager hatte jedoch einen Soll-Wert von 500 Arbeitskräften. Es waren hauptsächlich Kriegsgefangene aus den von den Nazis vorübergehend besetzten Ländern wie Polen, Frankreich und Russland, die hier zur Arbeit gezwungen wurden.

Dies war allerdings nicht das einzige Lager in JKU-Nähe. Direkt südlich angrenzend an den heutigen Parkplatz der Universität gab es noch das Lager „Volksdeutsche Mittelstelle“, das teilweise auch als „Umsiedlerlager Dornach“ bezeichnet wurde. Auch das sogenannte „Städtische Arbeiterlager Dornach“ entstand nicht weit südwestlich des heutigen Campusgeländes.

Insgesamt geht man davon aus, dass in diesen drei Lagern zwischen 8.000 und 10.000 Menschen von den Nationalsozialisten untergebracht wurden.

Fazit

Es ist eigentlich löblich, dass die JKU diese Studie zu ihrer 50-Jahr-Feier zumindest beworben hat. Es ist leider nicht selbstverständlich, dass Institutionen an der Aufklärung von NS-Schandtaten mitwirken. Allerdings muss ich leider aus eigener Erfahrung und aus den Gesprächen mit anderen Student_innen sagen, dass das Wissen über diese Vergangenheit unter uns nicht sonderlich verbreitet ist. Die Universität könnte in meinen Augen deutlich mehr tun. Zum Beispiel könnte man an dem durch die NS-Verwaltungsbehörde beschmutzten Auhof eine gut sichtbare Mahntafel anbringen. Oder auch im Science Park, welcher ja auf dem Gelände des „Deutschen Arbeiterfront Lagers“ gebaut wurde, könnte man zumindest deutlich öffentlicher eine Tafel anbringen. Vor allem in der heutigen gesellschaftlichen Situation wäre eine adäquate Erinnerungskultur an einer Bildungseinrichtung wie der JKU mehr als wünschenswert.

 

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