Gender Studies als Lehrveranstaltung
Überflüssige Pflicht?


„Warum müssen wir DEN Kurs denn belegen?“ – diesen Satz hörte ich vor kurzem in der Straßenbahn, als sich zwei Studierende über den verpflichtenden Kurs „Gender Studies“ unterhielten. In insgesamt 16 Bachelor- und zwei Diplomstudiengängen ist Gender Studies als Pflichtlehrveranstaltung verankert. Besonders in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern stößt der Kurs jedoch häufig auf gemischte Reaktionen. Die Rückmeldungen, so scheint es, sind häufig eher negativ.

Ein möglicher Grund für diesen Widerstand könnte der oft fehlende Zugang zu und das Wissen über Gender-Themen sein. Gerade für cis Männer ist dieser Kurs häufig der erste Berührungspunkt mit Fragen zu sozialen Rollen, Stereotypen und der Vielfalt geschlechtlicher Identitäten. Themen, mit denen sich viele FLINTA*-Personen oft früher auseinandersetzen müssen- denn sie spüren die Auswirkungen patriarchaler Strukturen am eigenen Leib. Genau deshalb ist es aber so wichtig, dass dieser Kurs möglichst für alle verpflichtend ist, denn das Patriarchat hat (negative) Auswirkungen auf jeden – auch auf Männer.

Zudem scheint auch der Ruf der Gender Studies (mitunter aufgrund von Social Media) alles andere als positiv zu sein. Besonders in konservativen Kreisen wird die Vorstellung gefördert es handle sich hier um abstrakte Theorien ohne wissenschaftliche Grundlagen – die lediglich von „woken Aktivist*innen“ ohne Bezug zur „realen Welt“ vertreten werden.

Dabei können Gender-Themen unsere Gesellschaft aus vielfältigen Perspektiven bereichern: Sie bieten Einblicke in soziale Ungleichheiten und Machtstrukturen, die unser tägliches Leben prägen. Themen wie Unterschiede in der Bezahlung, geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung, Vorurteile in Technologien oder Gewaltprävention zeigen, wie Geschlecht unser tägliches Leben in Beruf, Gesundheit, Sicherheit und Kommunikation beeinflusst. Fehlende gesellschaftliche Relevanz kann man diesem Themenbereich also auf keinen Fall vorwerfen.

Wer sich auf die Gender Studies einlässt, erkennt schnell, dass es um praxisnahe Themen geht: etwa, wie Strukturen Ungleichheiten fördern oder Gewalt begünstigen – Wissen, das wichtig für eine gerechtere Gesellschaft ist.

Der Kurs mag also für einige ungewohnt sein, eröffnet aber Perspektiven, die in wirklich jeder Disziplin hilfreich sein können und auch jede Person betreffen.

Leona Gstöttenbauer

Cogito Redaktuerin VSStÖ Linz

office@vsstoe-linz.at

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