JKU is(s)t die Zukunft?

Die JKU und ihre Mensa betonen seit 2019 das nachhaltige Lebensmittelkonzept in der Mensa, doch bei genauer Betrachtung zeigen sich hier große Lücken. Angesichts der Klimakrise reichen kosmetische Anpassungen einfach nicht aus. Statt umfassender Veränderungen bleibt die JKU jedoch bei regionalem und biologisch erzeugtem Fleisch stehen. Dieser Ansatz greift einfach zu kurz. 

Die Wissenschaft spricht eine klare Sprache

In Österreich ist Fleisch für zwei Drittel der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Mit einem durchschnittlichen Fleischverbrauch von 90,8 Kilogramm pro Kopf pro Jahr liegt Österreich weit über dem EU-Durchschnitt von 80 Kilogramm – und noch weiter entfernt von den empfohlenen 22 Kilogramm.

Pflanzenbasierte Ernährung wäre ein Gamechanger. Der Special-Report des Austrian Panel on Climate Change (APCC) zeigt, dass vegetarische Kost die ernährungsbedingten Emissionen um 48 Prozent und pflanzenbasierte Ernährung sogar um 70 Prozent reduzieren könnte. Der ökologische Vorteil pflanzlicher Produkte gegenüber tierischen ist unbestreitbar. Pro Kilogramm verursacht Fleisch 5- bis 20-fach höhere Emissionen als pflanzliche Alternativen.

Die Regionalität der Produkte in der Mensa ist für die heimische (Land)Wirtschaft zwar gut, jedoch aus klimatechnischer Sicht vernachlässigbar. Besonders deutlich wird das am Beispiel Rindfleisch. Hier kommen die Gesamtemission von Verpacken, Transport und Handel auf gerade einmal 1-9% der Emissionen. 

Bioprodukte nur Teillösung

Biologisch erzeugte Lebensmittel bieten ein mittleres Reduktionspotenzial. Bio-Fleisch, insbesondere von Schwein und Huhn, reduziert die Treibhausgasemissionen um 30 bis 50 Prozent im Vergleich zu konventionellem Fleisch. Dies führt jedoch wie in der Abbildung ersichtlich, trotzdem zu mindestens der doppelten Emissions-Belastung.

Außerdem bedeutet ein Bio-Siegel nicht gleich Bio-Qualität, denn: wie der ORF berichtete, erhalten teilweise Landwirt:innen Förderungen, obwohl sie die dafür eigentlich nötigen Standards nicht erfüllen. Außerdem wird weiterhin erlaubt Bio-Produkte mit konventionellen Saatgut zu produzieren, was den Prinzipien des ökologischen Landbaus widerspricht.  

Kostenfaktor

Immer mehr Mensen in Österreich schließen ihre Tore. Die Gründe dafür reichen von den Folgen der Covid-Pandemie und damit einhergehenden Umsatzverlust, bis hin zu Unzufriedenheit mit der Auswahl der Speisen. Der wohl größte Punkt jedoch liegt an den für Studierende oft zu hohen Preisen. Zwar kann man, dank dem Engagement der Bundes-ÖH, mittlerweile 2€ mit dem Mensabonus sparen, jedoch kommt man damit im Durchschnitt immer noch auf 5€ pro Mahlzeit. Kein Vergleich zu den Preisen in Deutschland, wo ein Mensaessen zwischen 2,15 – 4,15€ liegt. Dieser Fakt kann durchaus für Verwirrung sorgen, da die Österreichische Mensen-Betriebsgesellschaft (ÖMBG) zu 100 Prozent dem Wissenschaftsministerium gehört, somit „nur“ kostendeckend und nicht gewinnbringend wirtschaften muss und die Preisgestaltung deshalb beim Staat liegen müsste. Jedoch kann Österreich die Preise aufgrund des EU-Beihilfenrechts nicht senken. Dieses verbietet nämlich Subventionen an die ÖMBG, weil dadurch der Markt zulasten der privaten Cafés und Restaurants, die es an den Unis gibt, verzerrt würde. In Deutschland wird der Preis mithilfe des höheren Pflicht-Beitrags (statt 24,70, zwischen 67 – 395,89€) ausgeglichen.

Wie kann man also die Preise senken, ohne die Studierenden zusätzlich finanziell zu belasten? Ein 2024 erschienener Bericht einer britischen Forschendengruppe namens „bryantresearch“ untersuchte, unter anderem, die finanziellen Aspekte von einer Menü-Umstellung an Universitäten. Das Ergebnis: pflanzenbasierte Mahlzeiten kosten im Durchschnitt 30% weniger als Fleischgerichte und 21% weniger als vegetarische Kost. Bei einer Universität wie der JKU mit 20.000 Studierenden käme man so auf ein Kostenersparnis von 1,2 Millionen € pro Jahr. Mit diesen Einsparungen könnten die Mensen ihre Preise anpassen, ohne gegen EU-Richtlinien zu verstoßen.

Die JKU muss handeln

Trotz dieser Vielzahl an Gründen hieß es auf Anfrage an die Geschäftsführung der JKU-Mensa, dass es mit ihnen keine pflanzenbasierte Mensa geben wird. Die JKU hat also bislang die Chance verpasst, sich als Vorreiterin im Bereich nachhaltiger Ernährung zu positionieren. Dabei zeigen andere Universitäten, wie es gehen kann. Die in Großbritannien entstandene Studierenden-Bewegung „Plant-Based Universities“ hat bereits elf britische Hochschulen sowie die Uni Graz überzeugt, ihre Speisepläne auf pflanzenbasierte Konzepte umzustellen. Auch an der JKU hat „Plant-Based Universities“ bereits Fuß gefasst. Eine Petition zur Unterstützung des Ziels findet man auf Instagram „@plantbaseduni_jku“.

Würde die JKU ihre Mensa auf pflanzliche Ernährung ausrichten, könnte sie nicht nur ihre Klimaziele besser erreichen, sondern auch ein Zeichen setzen – für Innovation, Gesundheit und Verantwortung. Pflanzliche Ernährung reduziert den Flächenbedarf und schafft Raum für ökologischen Landbau sowie biodiversitätsfördernde Maßnahmen. Bioprodukte, kombiniert mit einem geringeren Fleischkonsum, könnten dabei eine sinnvolle Ergänzung sein.

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Marketingbegriff. Es ist eine Verpflichtung, der sich die JKU stellen muss. Der Weg ist klar: weniger Fleisch, mehr pflanzliche Alternativen und ein Fokus auf biologisch und regional produzierte Lebensmittel. Es ist Zeit für einen Wandel – für die Umwelt, für die Gesundheit und für kommende Generationen.

 

 

Verweise:

Jandl, R., Tappeiner, U., Foldal, C. B., & Erb, K.-H. (2024). APCC Special Report: Landnutzung und Klimawandel in Österreich. Heidelberg: Springer Spektrum Berlin. doi:https://doi.org/10.1007/978-3-662-67864-0

JKU. (o.D.). jku.at. Abgerufen am 12. 1 2025 von https://www.jku.at/campus/freizeit/essen-trinken/jku-mensa/

Nicholles, B., & Bryant, C. (2024). Climate-Conscious & Cost-Effective: The Case for Plant-Based University Catering. London: Bryant Research.

Plank, E. (4. 10 2024). Warum die Uni-Mensen in Österreich verhungern. DER STANDARD. Abgerufen am 12. 1 2025 von https://www.derstandard.at/story/3000000239013/warum-die-uni-mensen-in-oesterreich-verhungern

Plant-Based Universities. (o.D.). plantbaseduniversities.org. Abgerufen am 12. 1 2025 von https://www.plantbaseduniversities.org/de/about

Poore, J., & Nemecek, T. (1. 6 2018). Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science, S. 987-992.

Redaktion ORF.at. (23. 9 2024). orf.at. Abgerufen am 12. 1 2025 von https://orf.at/stories/3370675/

Volz, A. (20. 6 2024). preply.com. Abgerufen am 12. 1 2025 von https://preply.com/de/blog/das-kostet-das-studium/

Georg Bumberger

Studiert Soziologie

office@vsstoe-linz.at

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