
Kennst du schon den AKG?
Kennst du schon den AKG? AKG steht für “Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen” und ist ein gesetzlich festgelegtes, unabhängiges und weisungsfreies Gremium. Der Arbeitsbereich umfasst das Entgegenwirken
Weihnachten – eine Zeit, die im öffentlichen Bewusstsein mit Wärme, Liebe und Zusammenhalt verbunden ist. Die festlich geschmückten Straßen, die endlosen Werbungen für „das perfekte Geschenk“ und der Duft nach Keksen vermitteln ein Bild von Harmonie und Überfluss. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine andere Realität: Für viele Menschen ist Weihnachten keine freudige Zeit, sondern ein Symbol der Ungleichheit, des gesellschaftlichen Drucks und der Isolation.
In Österreich leben laut aktuellen Zahlen Hunderttausende Menschen an oder unter der Armutsgrenze. Die Weihnachtszeit verstärkt für diese Menschen nicht nur die alltäglichen Sorgen, sondern auch das Gefühl, im gesellschaftlichen Leben zurückgelassen zu werden. Während die Konsumgesellschaft Rekordumsätze feiert, bleibt für armutsbetroffene Familien oft nicht einmal genug Geld, um die Heizkosten zu decken. Der Druck, dennoch Geschenke und festliche Mahlzeiten zu finanzieren, führt viele in die Verschuldung. Besonders betroffen sind FLINTA*-Personen, die häufig in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten oder unbezahlte Care-Arbeit leisten. Für sie wird Weihnachten oft zur Zermürbung – ein weiterer Beweis dafür, wie sehr Kapitalismus auf der Ausbeutung von marginalisierten Personen basiert.
Doch es ist nicht nur die materielle Armut, die in diesen Tagen belastet. Die Feiertage sind auch eine Zeit, in der Einsamkeit und psychische Belastungen besonders sichtbar werden. Für viele, die ohne Familie oder stabile soziale Netzwerke leben, verstärkt die Inszenierung des „glücklichen Weihnachtsfestes“ das Gefühl von Isolation. Studien zeigen, dass die Suizidrate in Österreich in den Wintermonaten steigt – ein deutliches Zeichen, dass unser soziales System scheitert, Menschen in Krisen aufzufangen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Weihnachtszeit auch jene in den Fokus rückt, die sich selbst durch die gesellschaftliche Erwartung von Konsum und Leistung ausgeschlossen fühlen. Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen, die vielleicht nicht an traditionellen Feiern teilnehmen können oder möchten, erleben diese Zeit oft als belastend. Die idealisierte Darstellung von Weihnachten, wie sie in Medien und Werbung perpetuiert wird, verstärkt bei vielen das Gefühl, nicht dazuzugehören. Die „heile Welt“, die gezeigt wird, macht deutlich, wie sehr kapitalistische Werte auf Individualismus und Leistung basieren, anstatt auf echter Solidarität und Gemeinschaft.
Für FLINTA*-Personen bedeutet Weihnachten oft auch eine Zunahme von häuslicher Gewalt. Stress, Alkohol und patriarchale Strukturen schaffen ein Umfeld, in dem Gewalt eskaliert. Schutzeinrichtungen in Österreich verzeichnen jedes Jahr einen massiven Anstieg von Anfragen rund um die Feiertage. Die Tatsache, dass diese Gewalt oft erst im neuen Jahr öffentlich gemacht wird, zeigt, wie stark die Betroffenen von Scham und gesellschaftlichem Stigma geprägt sind. Der Staat versagt hier auf ganzer Linie: Zu wenig finanzielle Mittel, zu wenige Plätze in Frauenhäusern und ein Justizsystem, das Gewalt häufig verharmlost.
Die Kritik an Weihnachten ist daher auch eine Kritik am Kapitalismus selbst. Weihnachten ist ein Spiegelbild dieses Systems: Es basiert auf Konsumdruck, sozialen Erwartungen und Leistungsdenken. Es ist kein Zufall, dass gerade jene, die ohnehin wenig haben, am stärksten unter diesem System leiden. Die Widersprüche zwischen der verklärten Weihnachtsidylle und der brutalen Realität des Alltags zeigen, wie dringend wir Alternativen brauchen.
Die Probleme, die Weihnachten mit sich bringt, sind keine individuellen Versäumnisse – sie sind das Ergebnis struktureller Ungerechtigkeit. Die kapitalistische Logik, die alles in ein profitables Geschäft verwandelt, macht auch vor der Weihnachtszeit nicht Halt. Und während großer Konzerne von den Ausgaben der Konsument*innen profitieren, bleibt der Großteil der Bevölkerung zurück. Der Preis für die „Weihnachtsfreude“ wird von denen bezahlt, die sich in Schulden stürzen oder überarbeitet sind, um Erwartungen zu erfüllen, die sie nie selbst gesetzt haben.
Als Sozialistinnen wissen wir, dass die Antwort nicht darin liegt, „bessere Konsumentinnen“ zu werden oder individuell zu versuchen, mit Armut und Gewalt umzugehen. Stattdessen müssen wir die strukturellen Ursachen bekämpfen: ein System, das Profit über Menschen stellt. Das bedeutet, solidarische Netzwerke aufzubauen, in denen niemand allein gelassen wird. Es bedeutet, politischen Druck auszuüben, damit soziale Absicherung nicht vom guten Willen Einzelner abhängt, sondern ein Grundrecht für alle ist.
Solidarität bedeutet jedoch mehr als nur Hilfe anzubieten. Sie bedeutet, aktiv für eine Welt zu kämpfen, in der niemand unterdrückt oder ausgebeutet wird. Das beginnt bei kleinen, aber bedeutenden Schritten: durch das Organisieren von Spendenaktionen, die Unterstützung von Frauenhäusern und die Schaffung von Räumen, in denen sich Menschen ohne Angst vor Stigmatisierung austauschen können. Aber Solidarität endet nicht hier. Sie fordert von uns, den Kapitalismus an der Wurzel zu packen und eine Gesellschaft aufzubauen, in der Weihnachten wirklich ein Fest für alle sein kann.
Unsere Vision von Weihnachten sieht anders aus: ein Fest, das auf echter Solidarität basiert. Ein Fest, bei dem niemand ausgeschlossen wird, weil er*sie nicht mithalten kann. Ein Fest, das die Ungerechtigkeiten des Kapitalismus nicht verschleiert, sondern zum Anlass nimmt, für eine bessere Welt zu kämpfen. Lasst uns Weihnachten neu denken – als eine Zeit, in der wir nicht nur Kerzen anzünden, sondern auch das Feuer der Veränderung entfachen.
Studiert Sozialwirtschaft
Studiert Molekulare Biowissenschaften
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