16 Tage gegen Patriarchale Gewalt

 

Was sind die 16 Tage?

Die 16 Tage gegen patriarchale Gewalt finden jährlich vom 25. November bis zum 10. Dezember statt. Der 25.11. – der Tag der Ermordung der Mirabal Schwestern – markiert seit 1999 den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Gewalt gegen Frauen betrifft alle sozialen Schichten und hat viele Gesichter. Trotz wichtiger Errungenschaften im Schutz der Betroffenen und gesellschaftlicher Veränderungen ist das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen* aber nicht geringer geworden. Das Ende der Kampagne ist der 10. Dezember – der Internationale Tag der Menschenrechte. Gewalt gegen Frauen* ist weltweit – auch in Österreich – die häufigste Menschenrechtsverletzung. 

Seit 1991 gibt es die 16 Tage gegen patriarchale Gewalt, an denen sich Organisationen aus mehr als 190 Ländern beteiligen. Die Aktionstage dienen dazu, Bewusstsein zu schaffen, auf bestehende Herausforderungen aufmerksam zu machen und konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt zu fördern. Sie sollen Raum schaffen für unsere Trauer, unsere Wut, unsere Solidarität und unseren Widerstand. Österreich nimmt seit 1992 an der Kampagne teil.

Wie alles begann

Der Ursprung der Kampagne geht zurück auf das Jahr 1960 und die drei Schwestern Patria, Minerva und María Teresa Mirabal, die sich als feministische Widerstandskämpferinnen gegen die Militärdiktatur Raffael Trujillos in ihrem Heimatland der Dominikanischen Republik auflehnten. Im Untergrund arbeiteten die Schwestern unter dem Decknamen „Las mariposas” – die Schmetterlinge. Am 25.11. wurden die drei Schwestern vom dominikanischen Geheimdienst brutal ermordet. Der Tod der Schwestern wurde als Unfall dargestellt, doch nachdem die Familien der Schwestern trotz Verbots eine Untersuchung der Leichen vornamen, wurde klar, dass sie gefoltert und ermordet wurden. Die Mirabal-Schwestern wurden zur Legende. Ihr Mut dient als feministisches Symbol, die notwendige Stärke zu finden, sich gegen jede Form von Ungerechtigkeit zu wehren und für die Rechte für sich selbst und andere zu kämpfen. 

Warum brauchen wir die 16 Tage?

Jeden Tag berichten uns Betroffene von sexueller Belästigung, von Vergewaltigungen, von Körperverletzung, Drohungen, Beschimpfungen und psychischer Gewalt. Regelmäßig lesen wir in den Zeitungen schreckliche Berichte über Femizide (die vorsätzliche Tötung einer Frau durch einen Mann aufgrund ihres Geschlechts bzw. aufgrund von „Verstößen“ gegen die traditionellen sozialen und patriarchalen Rollenvorstellungen, die Frauen zugeschrieben werden). Tötungsdelikte mit Bezug auf Geschlecht sind keine Ausrutscher und keine Einzelfälle. Sie sind eingebettet in strukturelle Gewalt gegen Frauen, trans und non-binäre Personen und patriarchale Machtverhältnisse. Und sie sind das Resultat politischen Versagens im Bereich Betroffenen-Schutz, Gewaltprävention und Gleichberechtigung. Dieses Jahr (Stand Oktober) gab es in Österreich bereits 24 Femizide und 38 Mordversuche bzw. Fälle von schwerer Gewalt gegenüber Frauen (ausgeübt von Männern aus einem Näheverhältnis zur Betroffenen).

Gerade haben sich im Sudan etwa 130 Frauen gemeinsam das Leben genommen, sodass ihre Körper nicht als Kriegsmittel benutzt und sie vergewaltigt werden können. In Österreich ist ab dem 15ten Lebensjahr jede dritte Frau von körperlicher und/oder sexueller Gewalt innerhalb oder außerhalb von intimen Beziehungen betroffen. Mehr als jede vierte Frau musste eine Form von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz erfahren. Mehr als jede fünfte Frau ist von Stalking betroffen. All dies ist Teil der Spitze des Eisbergs der patriarchalen Gewalt, doch diese zeigt sich in ganz unterschiedlichen Formen und ist quasi überall zu finden. Diese Gewalt beginnt beispielsweise bereits bei vermeintlich “harmlosen” sexistischen Witzen, lässt sich aber auch u.a. wieder finden in der Notwendigkeit von Gendermedizin. Das ist die Welt, in der wir leben.

Häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt gehören zum Alltag. Wie viele Menschen tatsächlich von Gewalt betroffen sind, lässt sich nur erahnen. Es fehlt an Statistiken und Studien. Was wir wissen: Die große Mehrheit der gewaltbetroffenen Personen wendet sich an keine Beratungsstellen für Betroffene und verzichtet auf eine Anzeige.

Wir sind wütend über die Alltäglichkeit von patriarchaler Gewalt. Wir sind wütend über die gesellschaftliche Gleichgültigkeit, die Verharmlosung und über die politische Tatenlosigkeit. Die Strafverfolgungsbehörden sind ungenügend geschult, in den Frauenhäusern und Schutzunterkünften gibt es zu wenig finanzierte Plätze und viele Beratungsstellen sind unterfinanziert. Um geschlechtsbezogene Gewalt nachhaltig zu verhindern und Gewaltbetroffene adäquat zu unterstützen, braucht es endlich konsequente Massnahmen!

Tag der Menschenrechte & Susanne Raab

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, lautet der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Dieses Dokument wurde am 10. Dezember 1948 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Der 10. Dezember wurde nicht willkürlich als Abschluss der 16 Tage gegen patriarchale Gewalt gewählt, sondern soll deutlich machen, dass Frauen*rechte Menschenrechte sind. Wann auch immer FLINTA* (Frauen, Lesben, inter*, nicht binären, trans, agender) Personen von Gewalt betroffen sind, ist das Teil einer strukturelle Ausübung von Menschenrechtsverletzungen, die klar benannt und bekämpft werden muss. Dabei ist es essentiell, dass wir alle gemeinsam nicht wegschauen. Insbesondere unsere Entscheidungsträger_innen, unsere Politiker_innen und unsere “Frauenministerin”, Susanne Raab (ÖVP).

Ministerin Raab vertritt eine rückschrittliche und patriarchale Sicht auf Gleichstellungs- und Frauenrechte, die nicht mehr zeitgemäß ist und den Fortschritt in der Gleichstellung der Geschlechter behindert. Sie hat ihre Position zur Abtreibung deutlich gemacht und steht einer Verankerung des Rechts auf Abtreibung in der österreichischen Verfassung ablehnend gegenüber. Diese Haltung ignoriert das grundlegende Selbstbestimmungsrecht von Frauen über ihren eigenen Körper und ihre Lebensentscheidungen. Auch in Bezug auf Femizide und Gewalt an Frauen hat Raab die Chance nicht genutzt, um innovative und zukunftsorientierte Maßnahmen vorzustellen, die die Sicherheit und Gleichberechtigung in Österreich gewährleisten würden. Stattdessen hat sie bekannte Vorhaben wiederholt, ohne neue Lösungen für die drängenden Probleme unserer Gesellschaft anzubieten. Die Bekämpfung von häuslicher, sexualisierter und geschlechtsbezogener Gewalt sowie der Schutz von Betroffenen müssen endlich als politische Priorität eingestuft werden!

Wenn wirklich alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind, wie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten wurde, dann sollte auch dementsprechend gehandelt werden. Die Konzepte und Lösungsvorschläge von Expert_innen, die schon seit langer Zeit auf dem Tisch liegen, müssen endlich umgesetzt werden, denn nur so kann allen ein sicheres und angstfreies Leben ohne ständige Bedrohungen ermöglicht werden. Wir müssen zusammenstehen und für eine Zukunft kämpfen, in der alle Menschen, unabhängig von Faktoren wie dem Geschlecht oder der Geschlechtsidentität, gleiche Rechte und Möglichkeiten haben!

Alerta alerta feminista!

 

Alice Schwarz

Feministische Sprecherin VSStÖ Linz

alice.schwarz@vsstoe-linz.at

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