Sicher im Nachtleben?

 

Aufdringlichen Blicke, unerwünschte Berührungen, das Getränk stets im Blick, die Angst auf dem Heimweg – ständiges Abwägen, wie sicher man wirklich ist. Ich traue mir zu behaupten, dass diese Schilderungen in den meisten FLINTA* Personen ein be- klemmendes Gefühl der Erinnerung an ähnliche Situationen ausgelöst

haben. Statistiken stützen diese Annahme. Eine Studie der Vienna Club Commission von 2023 belegt, dass People of Colour, Frauen und queere Personen deutlich häufiger schlechte Erfahrungen mit sexueller Belästigung im Nachtleben machen.

Gerade jetzt, zu Semesterbeginn in der Zeit der Mensafeste, Punschstände und Beerpongturniere – treffen FLINTA- Personen fast automatisch die immergleichen „Sicherheitsvorkehrungen“, um sich vor Übergriffen zu schützen. Wer sich nun fragt, ob das überhaupt notwendig ist, dem kann mit einem kurzen entschlossenen „JA“ geantwortet werden. Laut dem Österreichischen Institut für

Familienforschung hat jede dritte Frau* bereits sexuelle Gewalt erlebt. Betrachtet man hingegen die Täter*innen handelt es sich zu 90% um Personen die sich als Mann verstehen.

Damit stellt sich mir die Frage, warum wir dennoch glauben, dieses Problem mit Verhaltensanpassungen der Opfer von Übergriffen lösen zu können?

Die Alternative liegt auf der Hand – es ist längst an der Zeit, dass sich Cis Männer in der Verantwortung fühlen, gegen dieses Problem vorzugehen. Klarzustellen ist an dieser Stelle jedoch, dass hier in keiner Weise ein „Ritter in glänzender Rüstung“ der dem „Fräulein in Not“ zur Hilfe eilt, gemeint sein soll. Dieses Märchen als Lösung für ein Problem patriarchaler Gesellschaften erzählen besonders Rechtspopulisten gerne, um unter dem Deckmantel von Gewaltschutz ihre verqueren Ideologien verbreiten zu können.  

Nun stellt sich aber die Frage:

Was kann man(n) also tun?

Im Folgenden sollen Handlungsoptionen erläutert werden, die sich nicht wie oft üblich an FLINTA* Personen richten. Stattdessen sollen hier konkret Cis Männer angesprochen werden:

Zunächst ist es wichtig deine gesellschaftliche Rolle in der Aufrechterhaltung patriarchaler Strukturen zu hinterfragen. Stell dir zum Beispiel die Fragen „Greife ich ein, wenn meine Freunde abwertend über Frauen* sprechen?“ „Weise ich andere Männer auf übergriffiges Verhalten hin?“ Diese Reflexion ist deshalb so wichtig, weil dein Schweigen Fehl- verhalten weiter unterstützt. Das heißt: Grenzüberschreitungen auch im Freundeskreis ansprechen, denn Männer orientierten sich eher an anderen Männern – ein Privileg, dass du nutzen kannst.

Im Weiteren ist die Frage nach Consent (Zustimmung) essenziell. Be-vor du jemandem näherkommst, ob körperlich oder verbal, frage nach, ob das für die andere Person in Ordnung ist. Ein weiterer wichtiger Schritt besteht darin, nicht nur selbst aktiv nach Einwilligung zu fragen, sondern auch bereit zu sein, dein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Niemand ist perfekt, und es kann vorkommen, dass dir jemand sagt, dein Verhalten sei unangemessen gewesen. In solchen Momenten ist es entscheidend, Kritik anzunehmen und daraus zu lernen, anstatt sich zu verteidigen.

Wenden wir uns also kollektiv davon ab sexualisierte Gewalt im Nachtleben als gegeben hinzunehmen. Wir müssen aufhören lediglich Symptombekämpfung zu betreiben und stattdessen gemeinsam die patriarchalen Wurzeln dieses Problems bekämpfen.

MIA Nöbauer

Kassierin VSStÖ Linz, Queersprecherin VSStÖ Bund

mia.noebauer@vsstoe.at

Sicher im Nachtleben?

Sicher im Nachtleben?   Aufdringlichen Blicke, unerwünschte Berührungen, das Getränk stets im Blick, die Angst auf dem Heimweg – ständiges Abwägen, wie sicher man wirklich

Weiterlesen »

Quo vadis Österreich?

Quo vadis Österreich Wieder einmal war Weihnachten für Polit-Nerds. Doch statt Weihnachts-kugeln und Socken über dem Kamin, wurden fleißig Plakate aufgehängt, statt Keksen gab es

Weiterlesen »