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Zugangsbeschränkungen – Hände weg von unseren Studienplätzen!

Die Gleichung ist einfach: Werden Studienplätze gekürzt, gibt es weniger qualifizierte Menschen in diesem Gebiet und auch die soziale Mobilität der Studierenden leidet, da es somit Menschen von bildungsferneren Schichten erschwert wird einem Studium nachzugehen. Trotzdem wurde 2013 durch die beiden Regierungsparteien die Möglichkeit Zugangsbeschränkungen, auch in Informatik einzuführen, geschaffen. Die TU Wien machte heuer zum ersten Mal Gebrauch davon, weshalb nun rund 40% weniger Studienanfänger und Studienanfängerinnen einen Platz erhielten. An der TU wird auf fehlende Personalkapazitäten für die Betreuung so vieler Studierenden verwiesen und nur jene, für die das Studium das Richtige sei, sollen mit Hilfe des neuen Auswahlverfahrens gefunden werden. Dies wird der TU Wien aber nicht gelingen, denn es existiert kein faires Aufnahmeverfahren.

Der Bildungsstand der Eltern entscheidet über die eigene Zukunft

So unterschiedlich die verschiedenen Verfahren auch sein mögen, sie führen immer zum selben Ergebnis: All jenen die keinen akademischen Background haben, wird der Zugang zum Studium verstärkt erschwert. Denn je höher der Bildungsstand der Eltern, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit eines hohen Bildungsabschlusses der Kinder. 69 Prozent der Volksschüler und Volksschülerinnen, deren Eltern mindestens einen Maturaabschluss haben, wechseln in eine AHS-Unterstufe. Hingegen besuchen nur 32 Prozent der Schüler und Schülerinnen, deren Eltern maximal einen Lehrabschluss aufweisen, die AHS-Unterstufe. Neben viel Widerstand gegen diese Maßnahme seitens Politik, Wirtschaft & Studierendenvertreter_innen wird vom Wissenschaftsministerium versucht Aufnahmeverfahren und Zugangsbeschränkungen nach wie vor zu rechtfertigen.

Sparpotential gäbe es bei den Uniräten

Das beliebteste Argument ist hier die Unterfinanzierung der Hochschulen, wobei die Analyse zwar richtig ist, die Lösungsansätze aber weniger kreativ sind. Betrachtet man hier die Zahlen, die der Rechnungshof vergangenen Donnerstag veröffentlichte, könnte man meinen, dass es durchaus Sparpotential gäbe, das nicht ausschließlich auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen werden müsste. Uniratsmitglieder, die zur Sitzung per Flieger innerhalb Österreichs in der Businessclass anreisen, Gehaltserhöhungen von Rektor_innen um bis zu 76% ohne Steigerung des Aufgabengebietes und Kostenübernahme für die Begründung eines Wohnsitzes für eine Neo-Rektorin. Stattdessen aber wird fröhlich weiter bei den Studierenden gespart, denn diese könnten doch auch, so Reinhold Mitterlehner, einfach in andere Bundesländer studieren gehen. Paradox ist auch der Umstand, dass Millionen in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) Fächer investiert werden und diese aber nun gleichzeitig zugangsbeschränkt werden. Man scheint die guten Vorsätze die man für die Universitäten vorhatte wieder zu verwerfen und zu alt bekannten Mitteln zurück greifen zu wollen.

Die Hochschulen unterliegen der Wirtschaftsdoktrin

Die Unterfinanzierung der Hochschulen führt nicht nur zu Maßnahmen, die Studierende benachteiligen. Sie fördert auch die Drittmittelfinanzierung und die Abhängigkeit der Hochschulen. Die freie Forschung folgt somit der Wirtschaftsdoktrin und fördert auch nur Akademiker und Akademikerinnen, die an dieses System angepasst sind. Da scheint es nicht verwunderlich, dass Reinhold Mitterlehner, kein Interesse daran hat, die Ursache des Problems zu beseitigen, sondern Symptombekämpfung betreibt. Immerhin sind die ÖVP und die Industriellenvereinigung keine Lobbyisten für Studierende. Schon gar nicht für Studierenden aus sozial schwächer gestellten Familien. Diesem Vorbild eifert auch die Aktionsgemeinschaft (AG), die ÖVP nahe Studierendenorganisation, nach indem sie sich für Zugangsbeschränkungen ausspricht.