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VSStÖ ad Studienplatzfinazierung: Warum wir damit ein massives Problem haben!

Schon im Jahr 2010 wurde ein Modell zur kapazitätsorientierten Universitätsfinanzierung von der UNIKO ausgearbeitet. Bei diesem Modell ergeben sich bei voller Implementierung Mehrkosten von knapp 1,2 Milliarden Euro, wenn damit “eine ausreichende Anzahl von Studienplätzen unter im internationalen Vergleich adäquaten Studienbedingungen zur Verfügung“ gestellt werden. Dies heißt im Umkehrschluss, dass, wenn diese Summe vom Staat nicht aufgebracht werden kann oder will, die Universitäten ihre Studien soweit beschränken müssen, bis sie die veranschlagten Ausgaben pro Student_in erfüllen können. Oder überspitzt formuliert:

Studienplatzfinanzierung bedeutet Zugangsbeschränkungen!

Der Plan pro Student_in eine gewisse Summe festzulegen, die qualitative Lehre sowie auch ein gutes Betreuungsverhältnis gewährleistet, ist zwar grundsätzlich keine blöde Idee und an und für sich kein schlechtes Finanzierungsmodell. Jedoch wird der Fehler beim Weiterdenken des Modells begangen, bei dem sich die Studierendenzahlen an der zur Verfügung gestellten Finanzmittel orientieren. Sprich die Anzahl der Studierenden wird anhand des vorhandenen Budgets berechnet und nicht etwa umgekehrt. Damit ist klar, dass in Zukunft alle Studienrichtungen, bei denen es mehr Bewerber_innen als durch die Studienplatzfinanzierung veranschlagte Plätze gibt, mit Zugangsbeschränkungen in Form von Eingangstests versehen werden.

Und was unser Problem mit Zugangsbeschränkungen ist

In der OECD liegt Österreich bei der Absolvent_innenquote (28%) schon jetzt weit unter dem Durchschnitt (38%). Doch nicht nur die Absolvent_innen- auch die Studienanfänger_innenquoten (50%) liegen unter dem Schnitt (56%). Zugangsbeschränkungen, sprich weniger Studienplätze, werden diese Zahlen weiter senken. Dabei sollte es unser Ziel sein möglichst vielen Menschen ein möglichst hohes Bildungsniveau zu ermöglichen. Wir brauchen mehr und nicht weniger Studierende!

Soziale Chancengleichheit sieht anders aus!

Einer der leitenden Grundsätze der Universitäten, wie sie in § 2 des UGs genannt sind, ist die soziale Chancengleichheit. Sprich auch das UG hat sich zum Ziel gesetzt einen für einen offenen und breiten Hochschulzugang über alle Klassengrenzen hinweg zu sorgen. Das Bild an den Universitäten sieht momentan aber ganz anders aus. Aktuell sind Kinder aus Akademiker_innenfamilien noch immer deutlich überrepräsentiert. Von sozialer Chancengleichheit ist hier nicht viel zu spüren, denn die soziale Herkunft bestimmt immer noch den Zugang zu Bildung. Als drastisches Beispiel hierfür kann das Medizinstudium – das erste Studium, dann in Österreich begrenzt wurde – herangezogen werden. Hier ist die soziale Durchmischung so schlecht wie sonst kaum. Seit der Einführung der Aufnahmeprüfungen ist der Anteil finanziell schwächerer Studierender stets weiter gesunken und schrammt mit nun nur mehr 10% nur noch knapp an der Zweistelligkeit.

Aber was hat das mit Zugangsbeschränkungen zu tun?

Zugangsbeschränkungen zählen zu den sozial selektiven Mechanismen, welche den Übertritt in eine tertiäre Bildungseinrichtung besonderes für Studierende aus Arbeiter_innenfamilien erschweren. Dies führt zur Reproduktion einer privilegierten gesellschaftlichen Klasse. Diese Annahme untersucht und belegt unter anderem auch die im Juli 2014 veröffentlichte Studie der Arbeiterkammer Wien. Auch muss noch angemerkt werden, dass Studienanfänger_innen in Österreich aus bildungsnahen Elternhäusern (zumindest ein Elternteil mit Matura oder höher) dreimal so häufig ein Studium aufnehmen wie Studienanfänger_innen aus bildungsferner Schicht (Eltern ohne Matura). Bildung in Österreich wird also nach wie vor über den soziokulturellen Status vererbt. Diese Diskrepanz zwischen Studierenden aus Arbeiter_innenfamilien und Akademiker_innenhaushalten verstärkt sich nur umso mehr, wenn sozial selektive Hürden wie Zugangsbeschränkungen eingeführt werden – was durch das vorher erwähnte Bespiel des Medizinstudiums deutlich zu Tage tritt.

Durch Zugangsbeschränkungen sinkt die Drop-Out-Quote?!

Sollten Zugangsbeschränkungen statistisch gesehen dazu führen, dass die Drop-Out-Quote sinkt, wäre das nur deshalb der Fall, weil sich die soziale Zusammensetzung der Studierenden an den Hochschulen massiv verschlechtert, indem sie zu elitären Bildungseinrichtungen verkommen. Hier studieren dann fast ausschließlich jene, die eine – vom Elternhaushalt ausgehende – finanzielle Absicherung genießen und damit nicht auf einen Nebenerwerb angewiesen sind. Auch sinkende Durchschnittsstudienzeiten und Drop-Out-Quoten wären nur das Resultat einer fatalen sozialen Durchmischung. Zugangsbeschränkungen ebnen somit den Weg zurück zur Zeit der Eliteuniversitäten. Dabei sollte Hochschulbildung ein Mittel sein, soziale Ungleichheiten zu beseitigen!

Vorbereitungs- und Aufnahmeprüfungsindustrie

In Fächern mit Aufnahmeprüfungen hat sich eine regelrechte Vorbereitungs- und Prüfungsindustrie entwickelt. Laut einer Studie des Wissenschaftsministeriums ist seit 2009 ein deutlicher Anstieg der Vorbereitungskosten zu sehen. Den höchsten Aufwand bestritten mit größtem Abstand die Medizinstudierenden. Hier investierte über ein Drittel mehr als 500 € in die Vorbereitung auf das Zulassungsverfahren. Anmeldegebühren und Kosten für Vorbereitungsmaterialien sind finanzielle Hürden und ein abschreckendes Signal für Personen aus sozial schlechter gestellten Schichten. Aufnahmetests führen darüber hinaus dazu, dass ein großer Druck auf junge Menschen bzw. deren Eltern entsteht, mithilfe kostspieliger Lernangebote die Chancen bei Uni-Aufnahmeprüfungen zu erhöhen. Profitieren tun jedenfalls die Kursanbieter_innen und all jene, die sich diese „Nachhilfe“ auch leisten können.