Studieren in Österreich


Vererbung von Bildung!

von Paul Domberger


Ob Papa einen Hauptschulabschluss, oder ein Studium absolviert hat, welchen Job Mama hat, welche Sprache im eigenen Haushalt gesprochen wird, ja sogar die Anzahl der Bücher, die im Wohnzimmerregal stehen – all diese Faktoren, entscheiden darüber, welche Chancen ein Kind am Bildungsmarkt hat. Enttäuschender Weise tritt dieses Phänomen Österreich noch viel stärker als anderswo.

“Kein Kind wird zurückgelassen!“, heißt es, „Chancengleichheit in der Bildung“ ist ein Grundpfeiler unserer modernen Gesellschaft. Doch unterzieht man diese Aussagen einem Faktencheck, tut sich hinter den leeren Worten der Politiker_innen eine tiefe Kluft auf. Die tiefe Kluft der Realität.

Es darf nicht vergessen werden: Wirklich gleiche Chancen haben Kinder aus benachteiligten Familien nirgendwo auf der Welt. Österreich liegt in der dreijährlich durchgeführten PISA-Studie zwar, was den Leistungsdurchschnitt betrifft, mit 497 Punkten auf Rang 20 der 72 teilnehmenden Länder. Nicht so schlecht, möchte man meinen. Bezieht man aber den Sozialstatus der teilnehmenden Kinder ein, so erreichte das unterste Viertel der Kinder einen Schnitt von 448 Punkten und das oberste Viertel einen Schnitt von 545 Punkten. Das entspricht einem Unterschied von 97 Punkten und liegt somit deutlich über dem OECD-Schnitt (88 Punkte). Sprich: Die Bildungskluft ist groß.

Alles beginnt schon vor dem Grundschulalter

Obwohl in der Grundschule natürlich von null weg begonnen wird, zeigt sich gerade bei den Voraussetzungen der Kinder, dass schon hier das Level an Grundwissen weit auseinander geht. Während manche Eltern sich bereits früh um Vorschulplätze für ihre Kinder bemühen und ihnen teilweise schon selbst Buchstaben, Zahlen und sogar Lesen beibringen, entfällt bei Kindern, deren Eltern mit der Grundversorgung ihrer Sprösslinge schon Probleme haben, die Frühförderung völlig.

Von Anfang an haben Kinder Probleme mit dem Verständnis des vorgetragenen Stoffes und verlieren somit auch schnell das Verständnis und damit auch das Interesse für den Unterricht und steigen natürlich ohne lupenreines Zeugnis aus der Grundschule aus. Und im zarten Alter von 10 oder 11 Jahren wird wieder einmal eine Mehrklassengesellschaft gelebt. Kinder, die von Anfang an vorne sind, deren Eltern bei Problemen sofort bei der Lehrperson antanzen kommen natürlich aufs die AHS, womit der Grundstein für die Reifeprüfung und ein erfolgreiches Studium gelegt wird. Während andere Kinder mit demselben Potential einfach durch den Rost fallen und den Eltern nahegelegt wird, ihre Kinder doch auf eine Hauptschule oder eine Realschule zu schicken.

Da diese Separation den weiteren Bildungsweg stärker als alles andere bestimmt, ist es an der Zeit, auch in Österreich umzudenken. Damit frühzeitig soziale Unterschiede viel besser abgefedert werden können, ist es wichtig, dass Gesamtschulen mit 8 Jahren ohne Trennung der Schüler_innen flächendeckend in Österreich eingeführt werden.

Hochschulbildung besonders ungleich

Nach den diskutierten Punkten lässt sich eines schon vermuten: Schon alleine die Chance auf einen Hochschulabschluss ist in Österreich ein Privileg.  Die Wahrscheinlichkeit, ein Universitäts- oder Fachhochschul-Studium aufzunehmen, ist für Personen aus „bildungsnahen Schichten“ also etwa 2,5- mal so hoch wie für jene aus „bildungsfernen“.

Weiter geht es mit dem Verlauf des Studiums, in denen Studierende auf die Hilfe ihrer Eltern immer noch angewiesen sind: Hierzulande schaffen nur zehn Prozent jener, deren Eltern keinen Pflichtschulabschluss haben, ein Studium. Während der Länderschnitt hier mehr als doppelt so groß ist, schaffen es Kanada und Neuseeland sogar bis knapp an die 40 Prozent-Marke.

Und dass Studierende, die nebenher einen oder sogar mehrere Jobs annehmen müssen, um einfach nur über die Runden zu kommen, sind klarerweise diejenigen, die schlechter im Studium vorankommen. Und die Konsequenz dessen? Studienbeiträge nach Ablauf der Toleranzsemester. Hier werden Menschen in den finanziellen Ruin getrieben und Existenzen aufs Spiel gesetzt. Und all das geschieht in einem Land, in dem wir das alles eigentlich nicht nötig hätten. Im schönen Österreich.


Corona


Erlasst die Gebühren!

von Marlene Spitzy


Der Beginn des aktuellen Monats bedeutet normalerweise für uns Studierende in der Früh schon um die letzten Plätze in der Bibliothek zu kämpfen, die letzten Referate oÄ vorzubereiten, für gefühlt 20 Prüfungen gleichzeitig zu lernen,  nächtelang an Seminararbeiten zu sitzen und gleichzeitig einem Job in der Gastronomie oder im Einzelhandel nachzugehen. Der vielgefürchtete Prüfungsmonat Juni gestaltet sich dieses Jahr, vor dem Hintergrund geschlossener Hochschulen ein bisschen anders – an der Belastung für uns Studierende in dieser Zeit hat sich jedoch nichts geändert – im Gegenteil, durch Corona und dessen Auswirkungen auf die Gesamtheit unserer Lebensbereiche ist dieser Juni für viele von uns besonders schlimm.


60% von uns arbeiten nebenbei, doch speziell unsere Jobs, die unsere Miete bisher finanzierbar gemacht haben, wurden in den letzten Monaten nicht gebraucht und so sind viele von uns von großen finanziellen Rückschlägen betroffen. Dazu kommt, dass die letzten Monate und Wochen für Studierende mit Betreuungspflichten für Kinder oder anderen Familienangehörigen gegenüber, besonders herausfordernd waren. Viele Studierende leben an sich schon in finanziell sehr angespannten Verhältnissen – Studiengebühren verschärfen diese zusätzlich und üben auf viele starken Druck aus.

Studiengebühren werden dann an Österreichs Universitäten fällig, sobald man die Mindeststudiendauer plus zwei Toleranzsemester überschritten hat – auf vielen Fachhochschulen gilt diese Regelung nicht und Studierende werden unabhängig von der Studiendauer zur Kasse gebeten. Das bringt besonders jene Studierende in eine missliche Lage, die sich kein Vollzeitstudium leisten können und zusätzlich arbeiten müssen. Diese brauchen dann oft länger und müssen durch fällige Studiengebühren erst recht wieder mehr finanzielle Mittel aufbringen. Für Drittstaatstudierende ist die Lage noch einmal verschärfter: diese müssen unabhängig ihrer Studienzeit Studiengebühren zahlen, und zwar den doppelten Betrag.

Es kann nicht sein, dass gerade jene die es eh schon schwer haben, besonders hart von den Auswirkungen der aktuellen Krise betroffen werden. Fßmanns: „Der Staat kann nicht für alles einspringen“ darf nicht die Devise sein. Es kann nicht sein, dass für Unternehmen Milliarden locker gemacht, aber Studierende gleichzeitig mit ihren finanziellen Sorgen im Regen stehen gelassen werden. Ein Erlass und eine Rückerstattung der Studiengebühren ist jetzt notwendig. Die Regierung, allen voran Bundesminister Heinz Fassmann müssen hier zur Verantwortung gezogen werden und dringend handeln!


Die aktuelle Krise darf nicht zur Folge haben, dass Studierende sich das Studium nicht mehr leisten können und ihr Studium abbrechen müssen. Studieren darf keinem Teil der Bevölkerung verwehrt bleiben - Hochschulen dürfen nicht zu einem Ort der Eliten werden. Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen treiben die Soziale Selektion auf die Spitze. Die Corona-Krise verschärft diese angespannte Lage: viele Studierende haben ihre Nebenjobs verloren, kämpfen mit finanziellen Problemen und Existenzängsten und der geforderte Studienerfolg kann im Distance Learning nicht erreicht werden! Es ist Zeit die Gebühren endlich zu erlassen und Studierende zu entlasten.



Barrierefreie Onlinelehre – Es gibt kein One-Size-Fits-All!

von Nadine Linschinger


Die Digitalisierung schreitet stetig voran und Corona hat ihr vor allem im Bildungsbereich einen Boost verliehen. Von heute auf morgen wurde in Schulen und Hochschulen auf reine Onlinelehre umgestellt. Und während man die Vielfalt an Lernenden in der Realität sehen und Methoden anpassen kann, verschwindet sie in der Online-Lehre hinter die Anonymität des Bildschirms. Gerade im Panik-Modus ist Barrierefreiheit in der Lehre noch lange nicht angekommen. Das führt für viele Studierende zu unbewältigbaren Lernbedingungen.

Die erste Barriere gibt es bereits bei der Zugänglichkeit von Online-Lernmaterialien. Die Hochschulen setzen einfach voraus, dass alle Studierenden über Computer und Internetanschluss verfügen. Wer kein eigenes oder gar kein Gerät besitzt, ist auf sich allein gestellt. Für die Anschaffung sind die Studierenden verantwortlich – finanzielle Unterstützung Fehlanzeige.

Wenn dann endlich Zugang erfolgen kann, finden sich auf der Lernplattform oft schlecht gemachte PowerPoint-Präsentationen, mit oder ohne Audiokommentar, und kaum lesbar eingescannte Buchseiten. So lernen zu müssen ist für alle Studierenden anstrengend, aber für manche ist es unmöglich. Hier muss die Onlinelehre barrierefrei gestaltet werden, denn barrierefreie Lehrmaterialien haben nur Vorteile: Alle Studierenden erhalten besser durchdachte und übersichtlichere Materialien und für manche macht es den wichtigen Unterschied!

Beim Begriff „Barrierefreiheit“ denken Lehrende meist nur an Studierende mit sichtbaren Behinderungen, wie zum Beispiel Sehbeeinträchtigungen. Viele Studierende sind aber auch von unsichtbaren Behinderungen und Beeinträchtigungen betroffen. Insgesamt haben laut Studierendensozialerhebung 2019 12% aller Studierenden eine studienerschwerende Behinderung/Beeinträchtigung. 40% davon haben eine psychische Erkrankung und 26% eine chronisch-somatische Krankheit. Wie kann digitale Barrierefreiheit diese Studierenden unterstützen?

Es gibt kein One-Size-Fits-All-Lehrkonzept. Laut der deutschen Unesco-Kommission bedeutet inklusive Bildung „dass alle Menschen an qualitativ hochwertiger Bildung teilhaben und ihr Potenzial voll entfalten können“. Der Heterogenität von Studierenden muss in der Praxis Rechnung getragen werden!

In der Onlinelehre machen kleine Anpassungen bereits große Unterschiede. So soll digitale Barrierefreiheit aussehen:

  • Für Studierende mit Angststörungen: genug Zeit, um Aufgaben zu erledigen, wichtige Informationen klar kennzeichnen und Vorgangweise genau erklären, Unterstützung anbieten
  • Für Studierende mit Hörbeeinträchtigungen: Untertitel und/oder Transkripte bereitstellen, klare Sprache und lineare Layouts, lange Inhaltsblöcke aufbrechen
  • Für Studierende mit Sehbeeinträchtigungen: große Schrift und hohe Kontraste, Informationen nicht hinter Links und Downloads verbergen, Alternativtexte für Bilder vergeben, Audiokommentare verwenden
  • Für Studierende mit Dyslexie: Textblöcke aufbrechen, Inhalt kurz und klar darstellen, alternative Formate zur Verfügung stellen (Audio/Video)
  • Für Studierende mit motorischen Beeinträchtigungen: große klickbare Buttons und viel Platz in Formularen/Online-Prüfungen, einfache, mit der Tastatur oder dem Touchscreen bedienbare Designs

Die Onlinelehre während der Corona-Krise hat gezeigt, dass die Hochschulen kaum bis gar nicht digital barrierefrei lehren. Das muss sich schnellstmöglich ändern, damit alle Studierenden uneingeschränkt studieren können! Erst, wenn die Hochschulen den Studierenden auf Augenhöhe begegnen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen, kann Barrierefreiheit in der Lehre wirklich gelebt werden.

 

Deutsche UNESCO-Kommission (2019). Inklusive Bildung. https://www.unesco.de/bildung/inklusive-bildung

Institut für Höhere Studien (2019). Studierenden-Sozialerhebung 2019 – Kernbericht. http://www.sozialerhebung.at/images/Berichte/Studierenden-Sozialerhebung_2019_Kernbericht.pdf

UK Home Office. Designing for Accessibility. https://ukhomeoffice.github.io/accessibility-posters/posters/accessibility-posters.pdf CC BY-NC-SA 4.0

Corona hilft der Umwelt? NICHT!

von Anna Portenkirchner


Für die Umwelt bedeutet die Corona-Krise scheinbar eine Verschnaufpause: In China gehen die CO2-Emissionen zurück, in den Kanälen Venedigs ist das Wasser so klar wie noch nie und es grünt so grün. Ist doch gut für unsere Umwelt - oder?


Bevor wir diesen Schein zerstören: Let´s look on the good side of life! Durch die Ausgangsbeschränkungen sind weniger Leute unterwegs und dadurch kann die Natur aufatmen und sich wieder entfalten. Außerdem sind weniger Autos auf den Straßen, was bedeutet, dass nicht nur die Tiere mehr Ruhe haben, sondern auch weniger Verschmutzungen durch das gedankenlose Wegwerfen von Müll während des Autofahrens sind der Fall. Da der Handel eingeschränkt wurde, stehen auch viele Fabriken still und die Emissionen von Schad- und Nährstoffen sinken und die Umwelt wird weniger belastet.


Es wird immer wieder davon gesprochen, dass unsere Umwelt sehr von den getroffenen Maßnahmen zur Corona-Krise profitiert, doch sehen wir einmal der Wahrheit ins Auge. Natürlich kann die Umwelt in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen und teils Quarantäne aufatmen. Hat sich aber schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, was nach Corona mit unserer Umwelt passieren wird? Einfache Antwort: Ja! Einige helle Köpfe denken weiter und stellen schwerwiegende Prognosen.


Die Umwelt wird auf Dauer nicht davon profitieren - da spricht man nämlich regelrecht von einem Umweltkiller. Ein Lockdown produziert keine gesunde Umwelt, sondern nur eine kurzzeitige Verbesserung – es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein! Wenn also wieder alle Fabriken in Betrieb genommen werden, die Flieger wieder abheben und es auf stark befahrenen Straßen wieder staut, wird nicht nur genauso viel Dreck wie vorher produziert,  sondern noch mehr, denn es gibt viel nachzuholen - der Umsatz, der in den vergangenen Wochen regelrecht flach fiel, muss am Besten gleich verdoppelt werden! Es muss mehr produziert, mehr gefahren und mehr geflogen werden, um die vorangegangenen Verluste wieder wett zu machen! Die Konjunkturpakete der Politik regen diese Produktion noch an.


Ein Blick über Österreichs Ländergrenzen hinaus, lässt uns ebenso schauern. US-Präsident Donald Trump hat wichtige Auflagen der Ölindustrie aufgelassen und eine „Lizenz zur Umweltverschmutzung“ erteilt. China hat im März 2020 so viele Kohlekraftwerke wie im ganzen Jahr 2019 genehmigt. Österreichs Klimawissenschaftler_innen warnen in einem offenen Brief an die Regierung und appellieren, sich die wissenschaftlichen Belege anzusehen und vor allem miteinzubeziehen.


Die Covid-19-Maßnahmen waren zeitlich begrenzt und wurden von Politiker_innen zum Schutz der nationalen Bevölkerung erlassen. Klar ist, dass Politiker_innen nach ihren Entscheidungen beurteilt werden und ob sich das Gefühl der Bevölkerung einstellt, dass das Land und die Einwohner_innen gut durch die Krise gebracht wurden. Im Kampf gegen die Klimakrise muss klar sein, dass alle Menschen davon betroffen sind. Wie Covid 19 kennt auch die Klimakrise keine Ländergrenzen. Wir fordern eine internationale Zusammenarbeit, die nicht nur die kommende Generation in Österreich bedenkt. Der globale Süden steht vor besonderen Herausforderungen, wenn es darum geht sich den Klimabedingungen anzupassen, da die notwendigen Ressourcen ausbleiben. Davon abgesehen schaffen es derzeit gut betuchte Nationen nicht die Klimaziele einzuhalten!


Unser Appell richtet sich an alle: Die Klimakrise ist wie die Corona-Krise unmittelbar und lebensbedrohlich. Die Krisensituation, in der wir uns aktuell befinden, hat uns gezeigt wie effizient es ist, die Wissenschaft in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen. Wenn uns die Corona-Krise etwas gelehrt hat, dann das Gewohnheiten sehr wohl geändert werden können, wenn es notwendig ist.

Spoiler: Es ist notwendig! Die Corona Krise ist auf Dauer keine Verbesserung für unsere Umwelt.


Quellen:

https://www.global2000.at/news/coronavirus-und-die-umwelt

https://www.facebook.com/ZDFterraX/videos/vb.312193427930/520716705545043/?type=2&theater

Corona und Rassismus

von Lukas Hanser


Eine Situation wie wir sie momentan erleben hätte sich vor einigen Monaten noch niemand auch nur erträumen können. Die Pandemie hat unzähligen Menschen das leben gekostet, weitere Todesopfer sind zu befürchten. Auch zahlreiche Arbeitsplätze sind in den letzten Wochen und Monaten verloren gegangen. Diese Krise zeigt, wer auch in der westlichen Welt nach wie vor besonders von prekären Lebenssituationen betroffen ist. Es sind insbesondere Minderheiten, welche nach wie vor unter systematischen Benachteiligungen leiden. Dieser Beitrag befasst sich daher mit dem Zusammenhang zwischen Rassismus und Corona.

Wenn es zu gesellschaftlichen Krisen kommt, ist es immer die politisch „rechte“ Seite, welche bestimmte Personengruppen instrumentalisiert, indem sie ihnen entweder die Haupt- oder zumindest die Mit-Schuld an auftretenden Problemen zuschreiben. Sie versucht insbesondere in Krisenzeiten die Angst der Bevölkerung für ihre Machtposition zu verwenden.

So wurden zur Anfangszeit der Pandemie in Österreich, wie auch international, asiatische Minderheiten als Sündenbock instrumentalisiert. Das sogenannte „Chinesen-Fieber“ hätten doch sowieso nur asiatische Bürger*innen, man solle alle asiatisch-aussehenden Menschen einfach wegsperren und so weiter. Die Beratungsstelle Zara, dokumentiert rassistische Vorfälle und berät Betroffene kostenlos. So ist gut zu beobachten, dass bis zum 16. März vor allem asiatische Minderheiten von dieser speziellen Diskriminierung betroffen war. Durch die Hetze einiger Politiker*innen hat es in dieser Zeit vermehrt Angriffe auf verbaler als auch auf physische Ebene hierzulande gegeben.

Als die Pandemie ihren Lauf genommen hat und klar geworden ist, dass die „Asia-Hetze“ nicht weiter funktionieren würde, hat die politische Rechte die Rolle des Sündenbocks wieder auf die auch sonst so gern instrumentalisierten Geflüchteten bzw. auf Muslim*innen gelenkt. Um die Zara Geschäftsführerin Caroline Kerschbaumer zu zitieren: “Im Internet wird den Betroffenen häufig vorgeworfen, sich nicht an die Ausgangsbeschränkungen zu halten. Die große Unsicherheit ist ein idealer Nährboden für Fake News und Verschwörungstheorien."

Wir können also davon ausgehen, dass die Arbeit von Personen wie Dominik Nepp bereits Früchte tragen. Dieser ist unteranderem mit Aussagen wie „Die steigenden Corona-Zahlen sind ausschließlich auf Asylanten zurückzuführen, deswegen kann man getrost von einem Asylantenvirus sprechen“ auffällig geworden. Wenn man die Wohnverhältnisse, in welchen etliche geflüchtete Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht leben müssen, genauer betrachtet, ist es kaum verwunderlich, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die ersten Corona-Cluster in Unterbringungen für Menschen mit Fluchterfahrung entstehen.

Das Phänomen, dass Rechts-Populisten die Probleme, welche sie instrumentalisieren, mit ihrer eigenen Politik erst überhaupt ermöglichen, ist kein Neues, allerdings während einer Krisenzeit besonders gut zu beobachten.

Um kurz zusammenzufassen, was wir uns nun mitnehmen können: Rechtspopulisten haben auch während einer weltweiten Krise absolut kein Interesse daran Politik für Menschen zu machen. Stattdessen hetzen sie getrost weiter, um Feindbilder auch für diese Krise verantwortlich machen zu können, damit ihre eigene Machtposition gesichert ist. Die Problematiken, welche durch ihre eigene Politik entstehen, schieben sie dabei auf die bereits instrumentalisierten Sündenböcke, wodurch sich der Teufelskreis schließt. Rassismus darf weder während einer Pandemie zur „neuen“ Normalität werden, noch darf er, wenn tatsächlich wieder „Normalität“ eingekehrt ist zum Leben dazugehören. Rassismus muss immer als das verstanden werden, was es ist: ein gesellschaftliches Problem, an dem wir alle zu arbeiten haben. Aufstehen, widersprechen und aufklären muss zur neuen Normalität werden.

Care Revolution

von Marina Auer


Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass es die Care- oder Sorgearbeit ist, die unser System am Laufen hält und trotzdem viel zu wenig monetäre Anerkennung bekommt. Die sogenannte "Care Revolution" fordert schon seit Jahren eine Aufwertung dieser Tätigkeiten. Dabei geht es auch um mehr Anerkennung für die unbezahlte Sorgearbeit, die zumeist weibliche Familienmitglieder tagtäglich leisten.


Berufe wie Krankenpfleger_innen, Altenpfleger_innen, Erzieher_innen, aber auch Personen im Handel erhalten derzeit durch die Corona-Krise eine große Aufmerksamkeit, da spürbar ist, wie stark wir von ihrer Arbeit abhängig sind.

Doch auf die unbezahlte Reproduktionsarbeit, die täglich hauptsächlich Frauen* leisten, wird weiterhin vergessen. Die familiäre Unterstützung, häusliche Pflege oder Hilfe unter Freund_innen wird gesellschaftlich meist als notwendig und selbstverständlich angesehen. So erfahren genau jene Frauen* in dieser Situation kaum Unterstützung und sind doch diejenigen, die gerade vieles im Gleichgewicht halten. Derzeit müssen viele Eltern, insbesondere Mütter, im Home-Office ihrem Beruf nachgehen und gleichzeitig noch individuell eine Ganztagsbetreuung ihrer Kinder durchführen. So wird verlangt, dass sie auch noch gute Lehrerinnen*, Hauswirtschafterinnen* und Trösterinnen* sind. Dadurch fühlen sich Mütter noch mehr allein gelassen als dies in normalen Zeiten der Fall ist.

Diese gesellschaftlichen Fehlentwicklungen lassen sich nicht kurzfristig und auf Knopfdruck verändern, denn es braucht grundlegende Veränderungen. Allgemein gibt es immer wieder Forderungen, wie z.B. eine Arbeitszeitverkürzung für Pfleger_innen bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Doch derartige Forderungen finden wenig Resonanz in der Politik und es ist nach wie vor eine Priorität, die Kosten im Care-Bereich so gering als möglich zu halten.

Hoffen wir, dass die Krise ein Weckruf ist, um unser System zu überdenken und dass es zu einer Neubewertung von Arbeit kommt!


Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/leben/corona-systemrelevant-care-arbeit-1.4852560

https://www.zeit.de/campus/2020-05/feminismus-rollenbilder-maenner-frauen-corona-krise