FEMINISMUS

Unser feministisches Grundsatzprogramm to-go zum Herunterladen:


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Feminismus geht uns alle an!

Der VSStÖ ist eine feministische und antisexistische Organisation, die sich für die Gleichberechtigung aller Geschlechter in unserer Gesellschaft einsetzt. Frauen* verdienen immer noch rund ein Viertel weniger als Männer*, sind in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert, stärker von Armut und Gewalt betroffen.


Feminismus bedeutet, sich für Gleichstellung aller Menschen in Bildung, Arbeit, Politik und Wirtschaft einzusetzen und aktiv geschlechterspezifische Rollenbilder aufzubrechen.


Im Kampf gegen Diskriminierung

Wir nehmen die Diskriminierung von Frauen* nicht hin. Deswegen setzen wir uns inner- und außerhalb der Hochschulstrukturen gegen die gläserne Decke, die Lohnschere, sexistische Übergriffe und gegen Gewalt an Frauen* – kurz: für eine echte Gleichstellung von Frauen* und Männern* – ein.


Es gibt noch viel zu tun. Lasst uns gemeinsam kämpfen. Für eine Gesellschaft frei von Rollenbildern, ohne Weiblichkeitswahn und Männerbündelei!

Am 8. März ist der Weltfrauenkampftag. Wir möchten diesen Tag dazu nutzen, um die Frauen in den Vordergrund zu rücken, die seit einem Jahr unsere Gesellschaft am laufen halten. Wir werden von Systemerhalterinnen zu Systemsprengerinnen!


Wer unser System erhält

Im Reinigungsdienst, im Lebensmittelhandel und in der Pflege arbeiten mehr als 80 Prozent FLINT Personen. 24-Stunden-Pflegerinnen verdienen circa 1.000 Euro brutto pro Monat. Rund 93 Prozent der Pflegekräfte in der mobilen Pflege sind in Österreich weiblich. Sie sind in Zeiten dieser Krise die Stütze der Gesellschaft. Ohne sie und ihre Fürsorgearbeit wäre auch die Corona Krise nicht bewältigbar. 


Nach wie vor sind es FLINT Personen ( FLINT: Frauen, Lesben, inter, non binary und trans Personen), die den Großteil der Haushalts-, Fürsorge- und Pflegearbeit verrichten. Diese Arbeit findet oft unter prekären Arbeitsbedingungen statt und ist unterbezahlt. In Österreich erledigen FLINT Personen zwei Drittel der unbezahlten, gesellschaftlich notwendigen Arbeit, wie Kinderbetreuung, kochen oder putzen. Die Corona-Krise hat diese Ungleichheiten vergrößert und bestehende Missstände in unserer Gesellschaft verstärkt. Es ist viel sichtbarer geworden, wer die sogenannten “Systemerhalter_innen” sind und auf wessen Schultern unser System aufgebaut ist. Allerdings passt der Begriff “Systemerhalter_innen” nicht ganz, denn Frauen erhalten nicht irgendein System - ihre Arbeit ist das System! Ohne die bezahlte und unbezahlte Care Arbeit von Frauen funktioniert unser gesellschaftliches Zusammenleben nicht.

Was ist “Care-Arbeit”?

Unter bezahlter Care-Arbeit versteht man Sorge- und Emotionsarbeit, die gegen Lohn verrichtet wird, z.B. in Pflegeeinrichtungen oder Kindergärten. Rund 93 Prozent der Pflegekräfte in der mobilen Pflege sind weiblich. 85,5 Prozent der Pfleger_innen in Krankenhäusern sind Frauen. Obwohl diese Tätigkeiten gesellschaftlich notwendig sind, werden sie schlecht bezahlt und bieten oft prekäre Arbeitsbedingungen.

Unbezahlte Care-Arbeit ist Sorge- und Emotionsarbeit, die oft im Privaten und innerhalb der eigenen Familie geleistet wird. Darunter werden Tätigkeiten wie kochen, putzen, Kinder erziehen oder Angehörige trösten verstanden. Ohne diese unbezahlte Arbeit, die großteils Frauen verrichten, würde unser jetziges gesellschaftliches und wirtschaftliches System nicht überleben.

Intersektional gedacht 

Die Corona-Krise hat uns veranschaulicht, wie sehr die Erhaltung des Systems nicht nur überproportional auf dem Rücken von Frauen, sondern vor allem auf dem von Migrantinnen und Frauen mit Migrationsgeschichte passiert. Der Anteil an Reinigungskräften, die eine nicht-österreichische Staatsbürger_innenschaft hat, liegt bei 56 Prozent, im Handel bei 22 Prozent. In der Alten- und Behindertenbetreuung sind es 13 Prozent. Zu Beginn der Corona-Krise drohte das Pflegesystem in Österreich zu implodieren, nachdem die Grenzen geschlossen wurden. Circa 60.000 24-Stunden-Pflegerinnen aus Rumänien reisen nämlich regelmäßig für wenige Wochen nach Österreich, um ihrer Tätigkeit hier nachzugehen. Mehrfach marginalisierte Frauen sind diejenigen, die die härteste Arbeit leisten. Sie befinden sich zusätzlich oft in noch prekäreren Arbeitsverhältnissen, erhalten wenig Bezahlung und noch weniger Anerkennung. Wenn wir von den Systemerhalter_innen in Österreich reden, darf dabei niemand ausgelassen werden.


Das SYSTEM sprengen!

Diese Missstände fallen nicht vom Himmel. Sie sind ein fixer und sogar notwendiger Bestandteil des Patriarchats, in dem wir leben. Wir verstehen die patriarchale Gesellschaft aber nicht als Nebenprodukt des Kapitalismus. Die Geschlechterunterschiede sind das Ergebnis eines Jahrtausende langen Prozesses. Unsere moderne Gesellschaft ist auf die Geschlechterdifferenzen angewiesen. Arbeit wird getrennt,  (bezahlte) Lohnarbeit wird Männern zugeschrieben und (unbezahlte) Care-Arbeit Frauen. Obwohl Frauen spätestens seit den 1980ern – also dem Aufkommen des Neoliberalismus – immer mehr in die männerdominierende Sphäre der Lohnarbeit als auszubeutende (Lohn-)Arbeitskräfte integriert wurden, sind sie noch immer mit der Care-Arbeit belastet. 


Es braucht mehr als neue gesellschaftliche Institutionen und Regelungen, um die auf den Geschlechterdifferenzen beruhende und konstruierte Zweiteilung zu überwinden. Es braucht ein neues Bewusstsein und Verständnis frei von Herrschaft und Ausbeutung. In diesem Sinne muss auch das binäre, heterosexuelle Verständnis von Familie und Beziehung aufgebrochen werden. Wir wollen mit unserer feministischen Arbeit über die Widersprüche der patriarchalen-kapitalistischen Gesellschaft diskutieren und aufklären. Unser Ziel ist eine gerechte Gesellschaft für alle!


Wir wollen mehr als billigen Applaus!

Seit der Corona-Krise scheint es eine neu gewonnene Anerkennung für systemerhaltende Tätigkeiten und die Menschen, die sie verrichten, zu geben. Wochenlang wurde täglich von Balkonen und aus Fenstern geklatscht - für die Krankenpfleger_innen, die Supermarktkassierer_innen und die Ärzt_innen. Für all jene, die jetzt unser System am Laufen halten. Doch Dankbarkeit zahlt keine Miete. Wo bleibt die Unterstützung für bessere Bezahlung von Care-Arbeit? Wenn für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen im Pflegebereich gestreikt wird? Wo bleiben die realpolitischen Schritte, um FLINT Personen endlich zu entlasten?


Mehr denn je muss weitergekämpft werden: für flächendeckende Kinderbetreuung, für neue Betreuungsmodelle, die eine parnter_innenschaftliche Aufteilung von Care Arbeit ermöglichen, für mehr Unterstützung von Alleinerziehenden, für mehr Unterstützung von FLINT Personen, für Arbeitszeitverkürzungen und Lohnerhöhungen.


Denn die Corona-Krise hat uns erneut gezeigt: 

Das Private ist politisch!

Sprengen wir dieses System!

Werde aktiv und kämpfe mit uns für eine gerechte Zukunft!

Mehr als 150 Jahre nach Beginn einer damals mehrheitlich bürgerlichen Frauen*bewegung und mehr als 100 Jahre nach Zulassung der ersten Frau* an einer österreichischen Universität sind viele Forderungen nach Gleichberechtigung von Frauen* in der Gesellschaft umgesetzt.


In der Theorie sind Frauen* und Männer* in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft gleichberechtigt. Trotzdem ist die strukturelle Diskriminierung von Frauen* nach wie vor traurige Realität.


Zwar sind mehr als die Hälfte der Studienanfänger_ innen weiblich* und auch bei den Erstabschlüssen sind Frauen* längst vorne. Doch je weiter oben wir in den Hierarchien der Hochschulen schauen, desto dünner wird die Luft für Frauen*.


Unter den Professor_innen findet sich nicht einmal ein Viertel Frauen*, unter den Rektor_innen der öffentlichen Universitäten ist es erst seit kurzem 1/3.


Es braucht endlich mehr als Lippenbekenntnisse. Wir fordern echte Frauen*förderung an den Hochschulen im Allgemeinen und in der Wissenschaft im Speziellen.

Frauen* verdienen durchschnittlich immer noch um 25% weniger als Männer* – für gleiche oder gleichwertige Arbeit. Seit über 100 Jahren kämpfen Frauen* für gleiche Bezahlung. Ein Ziel, das bis heute nicht erreicht ist. Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, gibt es jedes Jahr zum Equal Pay Day Aktionen des VSStÖ. Der Equal Pay Day markiert den Tag im Jahr, ab dem Frauen* bis zum Jahresende „gratis“ arbeiten. Das bedeutet, dass Männer* aufgrund der Einkommensschere bis zum Equal Pay Day durchschnittlich genauso viel verdienen wie Frauen* das ganze Jahr.

Bis heute verrichten Frauen* in Österreich einen Großteil der unbezahlten Arbeit. Frauen* verbringen pro Tag etwa doppelt so viel Zeit, Reproduktionsarbeit, Hausarbeit, Kinderbetreuung etc. zu leisten als Männer*. Nur etwa 4% der Väter* gehen in Karenz. Außerdem sind Berufe, denen mehrheitlich Frauen* nachgehen, immer noch unterbezahlt. Doch auch innerhalb der gleichen Berufe gibt es ungerechte Entlohnung: 16% der Lohnungerechtigkeit können nur durch das Geschlecht erklärt werden!

Oft wird von Frauen* gesprochen, die den sozialen Aufstieg oder die Karriere in männerdominierten Berufen „aus eigener Kraft“ geschafft hätten. Dadurch wird der außergewöhnliche Erfolg einzelner Personen betont, anstatt sich die unterschiedlichen Chancen und Lebensverhältnisse aller Menschen anzusehen. Die Gesellschaft können wir allerdings nur verändern, wenn wir zusammenhalten!


Der VSStÖ erkennt individuelle Diskriminierungsrealitäten und kämpft für eine Gesellschaft, in der sich niemand dem binären Geschlechterverständnis unterordnen muss. Feminismus ist daher in allen Bereichen des Lebens notwendig. Nur wenn alle Formen der Diskriminierung bekämpft werden, können wir eine gleichberechtigte Gesellschaft erreichen!

Im deutschen Sprachgebrauch ist es selbstverständlich das sogenannte „generische Maskulinum“, also die männliche* Form eines Wortes, zu verwenden. Sprache und Gesellschaft stehen in ständiger Wechselwirkung zueinander, was bedeutet, dass sie sich gegenseitig beeinflussen.


Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen* und Männer* immer noch nicht gleichberechtigt sind. Mit der Verwendung von geschlechtergerechter und bewusster Sprache können alle zu einer Veränderung der gesellschaftlichen Zustände beitragen.


Bewusste Sprache bedeutet nicht nur die Sichtbarmachung von Frauen in der Sprache, sondern auch von allen Menschen, die sich nicht in das derzeitig vorherrschende System der Zweigeschlechtlichkeit einordnen wollen. Außerdem bedeutet geschlechtergerecht zu sprechen auch, entschieden gegen sexistische und diskriminierende Formulierungen aufzutreten und diese bewusst nicht zu verwenden.


Ein bewusster Umgang mit Sprache umfasst auch das Erkennen von Stereotypen in der Sprache. Rollenbilder werden oft unhinterfragt übernommen und so in der Sprache reproduziert. Stereotype sprachlich aufzubrechen ist ein wichtiger Bestandteil geschlechtergerechter und bewusster Sprache. Nicht nur Frauen* werden sprachlich diskriminiert, auch viele andere Menschen müssen oft unter unserem vorherrschenden Sprachgebrauch leiden. Beschimpfungen wie „Du schwule Sau!“ oder „Das ist ja behindert!“ diskriminieren Menschen und stärken gesellschaftliche Ungleichheiten und Diskriminierung.


Formen der geschlechtergerechten Sprache:

  • Doppelnennung
    Studenten und Studentinnen
  • Neutralisierung
    Studierende - nicht immer möglich
  • Binnen-I
    StudentInnen
  • Statischer Unterstrich
    Student_innen - zwischen männlicher* und weiblicher* Form
  • Gender Star
    Student*innen
  • Dynamischer Unterstrich
    Stu_dentinnen - irgendwo im Wort platziert

Jede dritte Frau* in Österreich wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Nicht einmal 1%  der Fälle kommt vor Gericht, weniger als jede 5. Anklage wegen Vergewaltigung führt zu einer Verurteilung.


Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen* möchten wir auf dieses Problem aufmerksam machen. Gewalt gegen Frauen* muss endlich ein Ende haben - sowohl körperliche, als auch psychische und strukturelle Gewalt. Frauen* werden ständig diskriminiert und als Sexobjekte betrachtet. Das muss sich ändern! Ein gewaltfreies Leben muss für alle Menschen möglich sein! Gleichberechtigung muss Praxis werden!


16 Tage gegen Gewalt an Frauen*

...ist eine internationale Kampagne, die jedes Jahr vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen* (25.11.) bis zum Internationalen Tag der Menschenrechte (10.12.) stattfindet, um auf das Recht auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam zu machen. Der 25. November erinnert an die Ermordung der Schwestern Mirabal. Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal wurden an diesem Tag im Jahr 1960 nach monatelanger Verfolgung und Folter vom dominikanischen Geheimdienst brutal ermordet. Seit 1999 ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen* von den Vereinten Nationen anerkannt.

Auch im 21. Jahrhundert sind wir noch weit von völliger und echter Gleichstellung der Geschlechter entfernt. Patriarchale Strukturen sind noch tief in unserer Gesellschaft verankert und schlagen sich in verschiedensten Formen an den Hochschulen nieder. Um diese nachhaltig und langfristig belämpfen zu können gilt es den Kampf gegen reaktionäre Weltbilder auch an den Hochschulen zu führen. Studierende müssen dazu angehalten werden, strukturelle und institutionalisierte Ungerechtigkeiten zu erkennen, und Diskriminierungsformen aller Art zu bekämpfen. Zusätzlich fordern wir verpflichtende Sensibilisierungsschulungen für alle Lehrenden, Aktive Frauen*förderung und Bekämpfung der Leaky Pipeline.

Diskriminierung von queeren Personen und Unwissen über LGBTQIAP+-Themen sind

immer noch Alltag. Hochschulen sind kein von der Gesellschaft abgetrennter Raum, sondern immer ein Spiegelbild von ihr. So herrschen immer noch heteronormative Sichtweisen, auch in der Wissenschaft, vor.  Wir fordern eine aktive auseinandersetzung mit queerpolitischen Themen sowie den Ausbau von Anlaufstellen für alle vom Patriarchat und durch heteronormative Diskriminierung unterdrückten Personen Unterstützung bieten zu können, Unisex toiletten an jeder Hochschule.