WAHLPROGRAMM

BEIHILFEN, die Studieren möglich machen.

STUDIENBEDINGUNGEN, die allen Studierenden gerecht werden.

WOHNRAUM, der für alle Studierenden leistbar ist.

BEIHILFEN, DIE STUDIEREN MÖGLICH MACHEN.

Die Aufgabe eines Beihilfensystems ist es, allen Studierenden, unabhängig von sozialer Herkunft, Nationalität oder Geschlecht, ein Studium zu ermöglichen. Diese wird aktuell jedoch ganz und gar nicht erfüllt: Das Beihilfensystem ist löchrig und viele von uns Studierenden, die finanzielle Unterstützung brauchen, erhalten diese nicht. Die Altersgrenzen für Beihilfen entsprechen in keinster Weise unserer Studierendenrealität: Die Grenze für die Familienbeihilfe liegt z.B. bei 24 Jahren, während das Durchschnittsalter der Studierenden bei über 26 Jahren liegt. Gerade nicht-traditionelle Studierende, die z.B. erst auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium aufnehmen, haben dadurch meist gar keinen Anspruch auf staatliche Beihilfen.

Ein weiteres massives Problem ist, dass Beihilfen nur für sehr begrenzte Zeit gewährt werden. Im Bachelorstudium gibt es für die Studienbeihilfe nach der Mindeststudienzeit nur ein Toleranzsemester! Nur ein Bruchteil von uns Studierenden schafft es aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen im Studienalltag, das Studium in so kurzer Zeit abzuschließen. Die Höhe der Beihilfen reicht außerdem nicht, um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren. Wer jedoch arbeiten geht, um sich das Studium zu finanzieren, braucht schließlich länger um es abzuschließen – ein Teufelskreis. Studierende aus Drittstaaten sind in diesem System besonders benachteiligt. Sie haben auf kaum eine staatliche Beihilfe in Österreich Anspruch. Aus diesen Gründen gibt es sehr viele Schrauben, an denen im Beihilfensystem gedreht werden muss: Anhebung des Betrags, Altersgrenzen, Toleranzsemester.


Außerdem erhalten viele Studierende von ihren Eltern nicht den Unterhalt, der ihnen eigentlich zustehen würde. Hier bleibt oft als letzter Ausweg der Weg vor ein Gericht, um die eigenen Eltern zu verklagen. Die Möglichkeit, dies bei einer staatlichen Schlichtungsstelle vorzubringen, würde vielen Studierenden diesen Schritt erleichtern: So würden keine Kosten für Anwält_innen oder Verfahrensführung anfallen und die emotionale Hürde, die eigenen Eltern zu verklagen, soll gemindert werden. Allerdings weist das Unterhaltsrecht auch darüber hinaus grobe Lücken auf. Hier werden wir uns auf allen Ebenen für eine Reform im Sinne der Studierenden einsetzen.


Durch unsere eigenen Erfahrungen an den Hochschulen und unsere Beratungsarbeit als VSStÖ sowie in den Sozialreferaten verschiedener Hochschulen und auf Bundesebene kennen wir die Probleme, mit denen Studierende kämpfen müssen, und setzen mit unseren Forderungen genau dort an. Aktuell sehen wir aber leider auch, dass es nicht im Fokus der Politik steht, uns Studierenden das Studium zu ermöglichen, das uns zusteht: Erwerbstätige Studierende müssen wieder Studiengebühren zahlen und die notwendigen regelmäßigen Inflationsanpassungen der Beihilfen lassen noch immer auf sich warten.


All das führt dazu, dass leider noch immer die Devise gilt: Zeig mir deine Eltern und ich zeig dir deine Bildung. Wir wollen Maßnahmen ergreifen, um die soziale Absicherung von uns Studierenden zu verbessern und das bestehende Beihilfensystem zu reformieren. Auch, wenn die Studienbeihilfe im Frühjahr 2017 durch unseren Einsatz angehoben wurde: Die Studienbeihilfe bleibt ein Tropfen auf dem heißen Stein und weiterhin weit unter allen Werten, die in Österreich als Existenzsicherung definiert sind.


Wir Studierende haben ein Recht auf eine Beihilfe, die uns ermöglicht, uns auf das Studium zu konzentrieren. Mithilfe derer wir ohne Existenzängste leben können und nicht neben dem Studium arbeiten müssen. Studieren muss allen möglich gemacht werden!


WIR WOLLEN MEHR:

  • Anhebung der Beihilfen auf ein existenzsicherndes Niveau
  • Abschaffung der Altersgrenzen für den Beihilfenbezug
  • Ausweitung der Toleranzsemester für den Beihilfenbezug
  • Automatische Direktauszahlung der Familienbeihilfe
  • Einrichtung einer Schlichtungsstelle für Unterhaltsfragen

Wohnraum, der für alle Studierenden leistbar ist. 

Soziale Absicherung endet nicht beim Beihilfensystem. Auch der Zugang zu leistbarem Wohnraum, ob in Studierendenheimen oder am freien Wohnungsmarkt, ist für uns wichtig. Im Zuge vergangener Sparpakete wurden die Förderungen für Sanierung und Neubau von Studierendenwohnheimen gestrichen und auch unter der letzten Gesetzesnovelle unter Schwarz-Blau 2018 nicht wieder eingeführt. Viele Heime waren gezwungen, zu schließen oder ihre Preise drastisch zu erhöhen: Zwischen 2009 und 2015 sind die Preise für Zimmer in Studierendenheimen um durchschnittlich 26% angestiegen! Statt Investitionen in Studierendenheime, die tatsächlich leistbare Zimmer anbieten, schießen stattdessen Luxus-Studierendenheime aus dem Boden, die mit Extras wie Concierge und Putzservices eher an Hotels, denn an Wohnungen erinnern und 600€ aufwärts pro Monat kosten, die sich kaum ein_e Studierende_r leisten kann.

Vor allem in größeren Städten stehen immer mehr Wohnungen leer, gleichzeitig werden die Mieten immer teurer. Für uns ist klar: Wohnraum ist zum Wohnen da und nicht zum Spekulieren! Auf der Agenda von Schwarz-Blau steht nun auch noch die Abschaffung von Höchstmietpreisen im Altbau. Gerade für Studierende, die meist nur niedrige oder gar keine Beihilfen beziehen, wird die Suche nach einer leistbaren Wohnung immer mehr zu Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wenn man dann eine Wohnung gefunden hat, ist man auch noch mit hohen Kosten für Kautionen, Makler_innengebühren oder Ablösen konfrontiert. Noch schwieriger ist die Situation für Drittsstaatsstudierende, die aufgrund ihrer Herkunft am Wohnungsmarkt besonders benachteiligt sind.


Wir Studierende haben ein Recht auf leistbare Wohnmöglichkeiten! Von Seiten der Regierung werden diese Probleme ignoriert – die Antworten, die sie auf diese Problemstellungen gibt, müssen besser sein als der Rat zum Kauf einer Eigentumswohnung als Altersvorsorge. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf, denn: Wer jeden Monat zittern muss, ob die nächste Miete noch bezahlt werden kann, wird sich wohl kaum gut auf Seminararbeiten und Prüfungen konzentrieren können. Wohnen muss für alle leistbar sein!

WIR WOLLEN MEHR:

  • Einführung einer allgemeinen Mietzinsobergrenze und einer Leerstandsabgabe
  • Wiedereinführung der Förderung für Studierendenheime und Mietobergrenzen für Heimzimmer
  • Ausbau des sozialen Wohnbaus speziell für Studierende
  • Abschaffung der Makler_innengebühren für Wohnungssuchende

Studienbedingungen, die allen Studierenden gerecht werden.

Im Studium müssen wir viele Hürden überwinden: Intransparente Anmeldesysteme, Platzmangel in Lehrveranstaltungen und unnötige Voraussetzungsketten, die zu Studienverzögerungen führen, sind nur einige davon. Unsere Antwort als Interessenvertretung ist es allerdings durch mehr Budget für die Hochschulen und gezielte Anpassungen der Studienbedingungen an tatsächliche Lebensrealitäten die Situation für uns zu verbessern und nicht Studierende durch Zugangsbeschränkungen, Aufnahmetests und hohe Gebühren von der Hochschule fernzuhalten. Bildung muss allen zur Verfügung stehen, nicht nur jenen, die sich teure Vorbereitungskurse auf Aufnahmetests oder Sprachkurse leisten können oder die das Privileg haben, neben dem Studium nicht arbeiten gehen zu müssen, weil sie genug Geld von ihren Eltern bekommen.

Studieren in Österreich heißt für viele von uns, sich nicht voll aufs Studium konzentrieren zu können, da wir gleichzeitig immer mit der Sorge leben müssen, ob es sich finanziell überhaupt ausgeht, fertig zu studieren. Viele von uns Studierenden sind gezwungen, neben dem Studium erwerbstätig zu sein – laut Studierendensozialerhebung 2015 sind es sogar 62% aller Studierenden in Österreich! Auch die Betreuung von Kindern oder die Pflege von nahen Angehörigen, die noch immer hauptsächlich von Frauen* verrichtet wird, ist für viele Studierende Alltag.


Dass es heutzutage noch immer unmöglich scheint, Vorlesungen zu streamen oder Skripten auf Lernplattformen zu stellen, scheint angesichts der technischen Möglichkeiten absurd. Es braucht einen Ausbau des Online-Angebots an Hochschulen, um so endlich im 21. Jahrhundert anzukommen. Außerdem sind nur wenige Studiengänge so konzipiert, dass Studium und Arbeit leicht vereinbar sind, was wiederum zu Zeitverzögerungen und Frustration führt. Momentan sind Studierende oft dazu gezwungen, sich Urlaubstage oder Zeitausgleich zu nehmen, wenn sie zu Prüfungen antreten wollen.


Wir als VSStÖ stehen für eine ÖH, die sich bundesweit, und auch an deiner Hochschule dafür einsetzt, den Alltag von Studierenden zu verbessern. Wir setzen uns für den Aufbau der (digitalen) Infrastruktur an den Hochschulen ein. Wir kämpfen für ein besseres Betreuungsverhältnis und ein flexibles Lehrveranstaltungsangebot, das sich auch wirklich an den Bedürfnissen der Studierenden orientiert. Das heißt, dass z.B. auch Lehrveranstaltungen angeboten werden müssen, die mit einem 20-Stunden-Job vereinbar sind. Studienbedingungen müssen sich an uns Studierenden orientieren!

Factbox

Teilzeitstudium

Als VSStÖ setzen wir uns für die Einführung des Teilzeitstudiums ein. Hier können Studierende angeben, ob sie im nächsten Semester Teilzeit oder Vollzeit studieren. Außerdem soll man das Studium unbürokratisch und ohne Begründung für eine gewisse Zeit ruhend stellen können. Der gewählte Status bestimmt dann die Höhe der Beihilfen sowie das Ausmaß des Leistungsnachweises. Kurz: Teilzeitstudierende bekommen zwar monatlich weniger Beihilfen, können diese dafür aber auch länger beziehen. Dies soll vor allem erwerbstätigen Studierenden und jenen, die z.B. Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, den Studienalltag erleichtern.

WIR WOLLEN MEHR:

  • Ausbau des Online-Angebots (Vorlesungen, Lehrmaterial, etc.)
  • ein flexibles Lehrveranstaltungsangebot, das sich an den Bedürfnissen der Studierenden orientiert
  • bezahlte Freistellungen vom Job bei Prüfungen
  • Einführung des Status Teilzeitstudierende_r

Was wir vorhaben.

Eine starke Interessenvertretung bedeutet für uns auch, dass Serviceleistungen und Politik Hand in Hand gehen. Wir erleichtern deinen Studienalltag durch Serviceleistungen, bieten dir alle notwendigen Informationen im Studium und unterstützen dich durch persönliche Beratung. Wir gestalten aber auch die Hochschulpolitik aktiv mit und verändern die Hochschullandschaft nachhaltig. Wir wollen Hochschulen sozial gerecht gestalten und Hürden im Studium abbauen. Konkret erreichen wir das durch Gespräche und Verhandlungen mit Lehrveranstaltungsleiter_innen, Instituten, Rektoraten oder Ministerien, in denen wir uns für die Interessen von uns Studierenden einsetzen.


Durch den ständigen Austausch mit Studierenden und die Auseinandersetzung mit ihren Problemen und Sorgen in der Beratung wissen wir, wo es hakt und können in unserer politischen Arbeit genau dort ansetzen. Hier findest du eine Auswahl an Projekten, die wir mit deiner Stimme in der ÖH umsetzen wollen.

Mit dem Sozialfonds der ÖH wurde für Studierende in finanziellen Notlagen die Möglichkeit geschaffen, eine einmalige finanzielle Unterstützung zu beziehen. Dieses Erfolgsprojekt ermöglicht vielen Studierenden, ihr Studium fortzusetzen. Steigende Lebenserhaltungskosten und größere Ausgaben wie z.B. Studiengebühren treiben viele ans finanzielle Limit. Deshalb soll der Sozialfonds der ÖH finanziell verstärkt werden, um wirklich alle Studierenden in Notlagen unterstützen zu können!

In der Auseinandersetzung mit dem österreichischen Hochschulsystem wird eines schnell klar: Viel zu viel hängt noch immer vom Geldbörsl der Eltern ab. Allerdings gibt es auch viele Studierenden, die von ihren Eltern keinen Unterhalt bekommen, z.B. aufgrund innerfamiliärer Probleme, weil auch Geschwister zu versorgen sind oder die Eltern mit dem Geld schlicht selbst nicht über die Runden kommen. Leider gibt es auf diese Probleme keine einfache Antwort, da das österreichische Unterhaltsrecht sehr schwierig und verzweigt ist. Deshalb wollen wir in den nächsten zwei Jahren einen inhaltlichen Schwerpunkt auf das Thema Unterhalt legen und dadurch die Beratungsarbeit in diesem Feld verstärken, aber auch auf einer politischen Ebene Druck aufbauen.

Gerade für junge Wissenschaftlerinnen* ist es oft sehr schwierig, im akademischen Bereich Fuß zu fassen. Bei einem Professorinnenanteil von ungefähr 25% ist der wissenschaftliche Bereich ist immer noch stark männerdominiert, patriarchale Strukturen dominieren die Zusammenarbeit und auch, oder vielleicht gerade, weil bezahlte Forschungsstellen rar sind, wagen viele junge Frauen* nicht den Sprung vom Studium in die Wissenschaft. Wir wollen eine Datenbank aufbauen, in der junge Wissenschaftler_innen einen Überblick über vorhandene Stipendien und Förderungen für wissenschaftliche Arbeiten bekommen und sich informieren können. Ein besonderer Fokus soll darauf liegen, junge Frauen* als Wissenschaftlerinnen* zu fördern.