Die Aufgabe eines Beihilfesystems ist es, allen Studierenden ihr Studium zu ermöglichen. Aktuell wird diesem Auftrag jedoch ganz und gar nicht nachgekommen. Das österreichische Beihilfensystem ist löchrig und alles andere als sozial treffsicher. So erhalten viele Studierende, die finanzielle Unterstützung benötigen würden, diese nicht. Obwohl die Studierendensozialerhebung 2015 erneut verdeutlicht hat, dass die soziale Lage der Studierenden alles andere als rosig ist, beziehen nur 12% aller Studierenden Studienbeihilfe. Dieser Anzahl stehen jedoch ca. 34% aller Studierenden gegenüber, die angeben sich einmalig anfallende Kosten von 300 Euro nicht leisten zu können oder im Notfall nicht auf die finanzielle Unterstützung Dritter zurückgreifen zu können.

Daneben ist auch die Höhe der Studienbeihilfe, die das letzte Mal 1999 an die Inflation an- gepasst wurde, alles andere als aus reichend. So sind auch Studienbeihilfen-Bezieher_innen auf Nebenjobs angewiesen. Durch diese zusätzliche Erwerbstätigkeit verlängert sich die Studienzeit, was wiederum sehr oft in einem Beihilfeverlust resultiert.

Kurzfristig sind hier einige Maßnahmen umsetzbar, welche die soziale Absicherung von Studierenden deutlich verbessern würden:

Die Altersgrenze von 24 bzw. 25 Jahren bei der Familienbeihilfe entspricht schon lange nicht mehr der Realität der Studierenden, da der Altersdurchschnitt der österreichischen Studierenden mittlerweile, laut Studierendensozialerhebung, bei 26,2 Jahren liegt.

Ein weiteres großes Problem ist, dass die Studienbeihilfe nur für eine begrenzte Zeit gewährt wird. Bei einem Bachelorstudium ist das z.B. die Mindeststudienzeit plus ein Toleranzsemester. Nur ein Bruchteil von uns Studierenden schafft es aber aufgrund der bestehenden Studienbedingungen (überfüllte Hörsäle, zu wenig Lehrveranstaltungsangebote, Berufstätigkeit neben dem Studium etc.) das Studium in so kurzer Zeit abzuschließen.

Auch die Höchststudienbeihilfe stellt ein großes Problem dar, denn sie liegt mit momentan 670 Euro monatlich weit unter allen Werten, die als existenzsichernd definiert sind.

Daher kämpfen wir für:

  • Abschaffung der Altersgrenzen
  • Ausweitung der Toleranzsemester
  • Anhebung der Beihilfen auf ein existenzsicherndes Niveau

Doch über diese Forderungen hinaus haben wir, mithilfe unserer Beratungserfahrungen an den verschiedenen Hochschulen, auch ein umfassendes Modell zur sozialen Absicherung ausgearbeitet. Dieses Modell sorgt für eine echte soziale Absicherung der Studierenden und ermöglicht so einen reibungslosen Studienverlauf.

Erste Säule: Basissicherung – Direktauszahlung der Familienbeihilfe

Die erste Säule setzt sich im VSStÖ-Modell aus einer Art Basissicherung, in Form der Direktauszahlung der Familienbeihilfe, und einem leistbaren Studierendenticket für öffentliche Verkehrsmittel zusammen. Momentan ist es noch so, dass Studierende, um die Familienbeihilfe direkt ausgezahlt zu bekommen, die Unterschrift ihrer Eltern benötigen und diese im Ernstfall einklagen müssen. Die eigenen Eltern zu verklagen ist jedoch ein Schritt den nur wenige wagen, weshalb viele auf ihren eigentlichen Anspruch verzichten. Mit der Direktauszahlung wären diese familiären Konflikte gelöst und die Basissicherung gewährleistet.
Näheres zum Studierendenticket findest du unter dem Punkt Mobilität.

Zweite Säule: Unterhaltsbeitrag

Um einen existenzsichernden Beitrag für alle Studierenden aufbringen zu können, sind Beiträge der Eltern unerlässlich. Ein zumutbarer Unterhaltsbeitrag wird anhand des Einkommenssteuerbescheides durch die Beihilfebehörde berechnet. Eltern, deren Einkommen unter der Einkommenssteuergrenze von 11.000 Euro liegt, sind von der Unterhaltsleistung befreit. Der Anspruch erhöht sich dann um je 1% pro zusätzlich verdienten 1.000 Euro. Bei jedem Studienbeginn wird automatisch ein Antrag auf Studienbeihilfe gestellt und Studierende erhalten einen Bescheid mit der ihnen zustehenden Beihilfe oder die Eltern werden per Schreiben über ihre Unterhaltsverpflichtung informiert. Sollten die Eltern ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, haben Student_innen die Möglichkeit, den Unterhalt bei einer, bei der Beihilfebehörde angesiedelten, unabhängigen Schlichtungsstelle einzuklagen, denn wie bereits ausgeführt, ist der Schritt den eigenen Unterhalt einzuklagen, einer, den nur die wenigsten tätigen. Während des laufenden Verfahrens streckt die Beihilfebehörde den Unterhalt ohne Berücksichtigung des Einkommens der Eltern vor.

Dritte Säule: Studienbeihilfe

Momentan beträgt die Höchststudienbeihilfe nur 606 Euro und wurde seit 1999 nicht mehr inflationsangepasst. Dieser Beitrag ist viel zu gering und zwingt die Studierenden wieder dazu neben dem Studium zu arbeiten, was leicht in einem Verlust der Beihilfen resultiert. Bei dem VSStÖ-Modell wird unter der Studienbeihilfe der Fehlbetrag zwischen Basissicherung und zumutbarem Unterhalt der Eltern auf das Existenzminimum in Höhe der Ausgleichszulage (882,78) verstanden. Dieser Betrag wird aus öffentlicher Hand gemeinsam mit der Grundsicherung, an die Studierenden ausbezahlt.

Selbsterhalter_innenstipendium für Studierende über den 2. Bildungsweg. Anspruch haben all jene, die sich mindestens 3 Jahre vor Studienbeginn selbst erhalten haben. Sie erhalten den fehlenden Betrag vom Grundstipendium und 80% ihres letzten Einkommens. (mind. 1.000 begrenzt mit 2.000 Euro). Für Studieren- de mit Kind(ern) bis zum Ende der Schulpflicht erhöht sich das Existenzminimum um 140 Euro pro Kind.

Beim Studienabschluss- od. Wiedereinstiegsstipendium soll einerseits berufstätigen Studierenden der Abschluss des Studiums bzw. Langzeitstudierenden der Wiedereinstieg erleichtert werden. Hier wird davon ausgegangen, dass diese Studierenden, um ihren Abschluss zu erreichen ihre Erwerbstätigkeit einschränken müssen. Um dies wieder auszugleichen erhalten sie 80% ihres letzten Einkommens als Stipendium bis zu ihrem Studienabschluss ausbezahlt.

Durch dieses Beihilfemodell soll gewährleistet werden, dass Studierende monatlich einen Betrag zur Verfügung haben, der tatsächlich zum Leben reicht. Bildung ist ein zentrales Menschenrecht und darf nicht jenen, die es sich nicht leisten können, verwehrt werden! Dies kann nur funktionieren, wenn man als Student_in neben dem Studieren nicht darauf angewiesen ist zu arbeiten. Denn ein Studium zu absolvieren darf nicht von finanziellen Gegebenheiten abhängig sein. Langfristiges Ziel des VSStÖ ist es, ein emanzipatorisches Einkommen für alle Studierenden zu erzielen.