Frauen* an Hochschulen sind noch immer vielfach verschiedenster Diskriminierungen ausgesetzt. Angefangen bei sexistischen Aufnahmetests, wie dem der Humanmedizin, der von der Schwerpunktsetzung so angelegt ist, dass männer*dominierte Wissensbereiche, wie Physik oder Mathematik, einen Großteil der Wissensabfrage ausmachen und Männer* somit besser abschneiden, bis hin zur leaky pipeline, die das Phänomen des stetig absinkenden Frauen*anteils beschreibt, je höher die Position ist, um die es sich handelt.

 

Setzen wir uns etwas genauer mit dem Begriff der leaky pipeline auseinander. Was bedeutet das für unser gegenwärtiges Bildungssystem? Während mittlerweile mehr Frauen* als Männer* studieren und es auch mehr weibliche* als männliche* Universitätsabsolvent_innen gibt, so ist doch der Frauen*anteil in wissenschaftlichen Spitzenpositionen verschwindend gering.

Stell dir einfach mal vor, du sitzt den ganzen Tag in der Uni, von einer Vorlesung zur anderen. Was siehst du? Vier Professoren* und eine Professorin*?

In Österreich werden nur 6% der ordentlichen Professuren von Frauen* ausgeführt.

 

Doch woran liegt es, dass sich der Frauen*anteil kontinuierlich verringert, je weiter es die Karriereleiter hinauf geht.  Woran liegt es, dass wir immer noch mehr Männer* als Frauen* in der Wissenschaft finden?

Hier sind einige Punkte anzusprechen. Zum einen lernen Frauen* schon im Mädchen*alter, an sich zu zweifeln. Insbesondere in den Gebieten der Naturwissenschaft resultiert dies in einem geringen Selbstbewusstsein der jungen Frauen* und führt dazu, dass sie sich trotz ausgezeichneter Noten nicht an ein naturwissenschaftliches Studium heranwagen. Vielleicht hast auch du schon gesagt bekommen, dass Naturwissenschaften nichts für dich sind weil du eine Frau* bist. Wir, der VSStÖ, sind gegen eine solche Einstellung und für eine umfassende Förderung von jungen Frauen*, denn wir sind nicht das schwache Geschlecht!

 

Des weiteren bleibt noch zu erwähnen, dass Zugangsbeschränkungen vor allem Frauen* treffen würden, da in erster Linie alle geisteswissenschaftlichen Fächer beschränkt werden sollen. Hierbei handelt es sich genau um all jene Studiengänge, die einen weitaus höheren Frauen*- als Männer*anteil aufweisen und somit den enormen Männer*überschuss in den meisten technischen und naturwissenschaftlichen Fächern ausgleichen. Es liegt also auf der Hand, dass ein freier und offener Hochschulzugang unerlässlich ist um der Gleichstellung aller Geschlechter einen Schritt näherzukommen!

 

Dieses System der Ungleichheit betrifft uns alle. Doch ist an einer neoliberalen Hochschule bedingungslose und echte Gleichstellung überhaupt möglich? Wir finden nicht! Denn solange Profitmaximierung und Marktzuwachs im Vordergrund stehen, bleibt kein Platz um grundlegende strukturelle Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten an der Wurzel zu bekämpfen.

 

Der Fall des WU Professors der jahrelang Mitarbeiterinnen* und Studentinnen* sexuell belästigt hat, zeigt, dass Sexismus vor den Türen der Hochschulen keinen Halt macht.

Erschreckend ist auch, dass dieser Professor 2019 wieder lehren darf.

Ein großes Problem hierbei ist, dass Student_innen in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Lehrenden stehen. Einen Lehrenden anzuzeigen erfordert also oft viel Mut von den Betroffenen und Unterstützung von Seiten der Universität.

 

Sowohl an den öffentlichen Universitäten, als auch an Pädagogischen Hochschulen muss ein Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKG) eingerichtet werden. Dieser Arbeitskreis ist in der Theorie dazu da, gegen jegliche Art der Diskriminierung (z.B.: ethnische, homo*- bi*- trans* und inter*- Feindlichkeit) und sexualisierte Gewalt an den Universitäten vorzugehen.

Das große  Problem dabei ist, dass die Kompetenzen des AKGs meist beschränkt sind. Wenn du weißt, wie du Kontakt zum AKG herstellst bzw. dass es diesen gibt, gehörst du leider zu einigen wenigen.

An Fachhochschulen und Privatuniversitäten ist die Situation noch prekärer. Hier muss gar kein AKG eingerichtet werden, ob es Anlaufstellen gibt, ist von der jeweiligen Hochschule und dem guten Willen der Leitung abhängig. Ja, der AKG bringt den Unternehmen keinen Gewinn, aber er trägt einen großen Teil zu einer  angstfreien und gleichberechtigten Gesellschaft bei. Profitmaximierung hat hier definitiv nichts verloren!

 

Wir sind der Meinung, dass sich diese Situation schnell ändern muss. Wir Student_innen dürfen nicht von der Willkür der Hochschulen abhängig sein, wenn es zu sexualisierter Gewalt oder Diskriminierung kommt.

 

Du bist auch der  Meinung und möchtest gemeinsam mit uns für eine gerechte, angstfreie und kritische Hochschule kämpfen? Werde jetzt aktiv!

Du willst etwas verändern? Dann werde aktiv!