In den letzten Jahrzehnten schreitet die Neoliberalisierung unsere Gesellschaft unaufhaltsam voran. Auch an dem Bildungssektor – und vor allem dem Hochschulsektor – geht diese nicht vorüber. Doch was heißt das? „Bildung darf keine Ware sein“ – ein Spruch den wir schon lange vor uns hertragen. Doch während wir das skandieren, ist Bildung ein Handelsgut geworden.

Zur Leitwissenschaft hat sich die Betriebswirtschaftslehre entwickelt. Ihre Grundsätze der Kostenminimierung und der Nutzenmaximierung werden anderen Studienrichtungen aufgedrückt. Alle Studienrichtungen müssen so gestaltet sein, dass sie dem Wirtschaftssystem nützen. Die Studien sollen nur noch darauf ausgelegt sein, auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. Darum hörst du wahrscheinlich auch immer öfter „Wer braucht eigentlich Sozialwissenschaften?“ oder ähnliche Sätze.

 

Vielleicht warst auch du einmal in der Situation, dass dir gesagt wurde, du sollst etwas studieren, das dir gute Jobmöglichkeiten eröffnet. Das ist eine Drucksituation, denn was du studierst, solltest du nicht danach wählen, welche Jobchancen dir das Studium eröffnet, sondern danach welche Themenbereiche dich interessieren.

 

Diese Situation schlägt sich auch in der Lehre nieder, es geht immer stärker um Ausbildung als um Bildung. Es wird verstärkter Praxisbezug nachgefragt, damit du möglichst schnell in der Privatwirtschaft “deine Rolle” findest – anstatt die akademische Zeit als eine zu begreifen, in der du dich selbst findest, dich für neue Themen begeisterst und dich tiefgehend und kritisch mit ihnen auseinandersetzen kann.

Zu bemerken ist dies in der immer stärkeren Verschulung des Hochschulsektors. Während die Generation vor uns in ihrem Studium noch große Blöcke mit Freifächern zur Spezialisierung hatte, gibt es heute sogar Studienrichtungen die den Student_innen gar keine Freifächer bieten und den Raum zur freien Entfaltung dadurch massiv einschränken.

 

Politiker_innen sprechen verstärkt von “Eliteunis” oder “Exzellenzclustern”. Damit sind aber nicht Hochschulen gemeint, die ihre Student_innen zu kritischem Denken erziehen, die im akademischen Diskurs neue Perspektiven eröffnen können. Die Hochschulen die damit gemeint sind, sind solche die ihre Studierenden, also auch dich, in ein Berufsbild drängen, dem sie ja entsprechen sollten. An Hochschulen wird nicht mehr die Bildung und die damit einhergehende Emanzipation von (jungen) Menschen gefördert, sondern die Ausbildung und Hand in Hand damit die Konformität und die “employability”.

 

Dass unsere Studienrichtungen dem Arbeitsmarkt immer stärker angepasst werden hat eine immense Schattenseite.

In den letzten Jahren ist auch die Drittmittelfinanzierung immer stärker angestiegen. Das Problem mit den Drittmitteln ist, dass es kaum private Investor_innen gibt, die ihr Geld ohne Gegenleistung hergeben. Vor allem keine Summen die Hörsäle, Gebäude oder ganze Studiengängen finanzieren könnten. Es gibt StEOP-Vorlesungen in denen der Großteil des Inhaltes die “Erfolgsgeschichte” RedBull ist. Wenn du währenddessen  in einem Red Bull-Hörsaal sitzt, liegt die Vermutung nahe, dass in dieser Vorlesung nicht wegen der wissenschaftlichen Relevanz so viel über Red Bull gesprochen wurde. Doch das ist nur der Teil des Problems, der auch an der Oberfläche sichtbar ist. Finanzierungen von Forschungsprojekten die einen ganz klaren Outcome haben sollen oder von ganzen Masterlehrgängen, die Studierende nur auf den Eintritt in die zahlende Firma vorbereiten sollen sind hier noch nicht einmal erwähnt.

Am Weg in eine große Uni-Bibliothek in Wien steht geschrieben „die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei“, ein Satz der die Glaubwürdigkeit verloren hat wenn sich die Bibliothek “OMV-Library” nennt und das “Raiffeisen-Sprachzentrum” beherbergt. Wir leben in einer Zeit, in der nicht die Wissenschaft den Markt bestimmt, sondern der Markt die Wissenschaft vor sich her treibt.

Ein großes Ziel der letzten Schwarz-Blauen Regierung war die Umstrukturierung unserer Universitäten. Die Einführung des Unirats (quasi des Aufsichtsrats der Universität, der zur Hälfte von der Bundesregierung beschickt wird) von Schwarz-Blau und seiner intransparenten Besetzung hat die Türen für Unternehmen sperrangelweit geöffnet (z.B. WU: Erste Bank, ÖBB; KFU: Steiermärkische Sparkasse; LFU: Industriellenvereinigung, Siemens). Warum Wirtschaftsmogule z.B Rektor_innen an unseren Universität wählen können, erschließt sich uns nicht.

 

Gleichzeitig wurde unsere Stimme, die der Student_innen, Schritt für Schritt strukturell geschmälert. Während der Senat (höchstes Unigremium in dem auch Student_innen sitzen) früher zu einem Drittel aus Professor_innen, einem Drittel aus Universitätsmitarbeiter_innen und einem Drittel Student_innen bestand, wurde die Besetzung unter Schwarz-Blau 2002 reformiert. Heute hält die Kurie der Professor_innen die Hälfte der Sitze im Senat. Das macht Veränderungen gegen den Willen der Institute für Student_innen quasi unmöglich und sorgt damit für eine viel engere weniger diverse Hochschullandschaft.

 

Als VSStÖ wehren wir uns gegen dieses Verständnis  und gegen diese Entwicklungen. Bildung muss endlich wieder ihren ursprünglichen Zweck erfüllen und darf nicht zu einer von vielen Waren auf dem neoliberalen Markt verkommen. Wir Student_innen dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. Sei auch du Teil des Widerstandes gegen diese Entwicklungen  und sei auch du Teil der Veränderung auf deiner Hochschule!

Du willst etwas verändern? Dann werde aktiv!