Einer der wichtigsten Grundsätze des VSStÖ ist der der freien Bildung. Unter freier Bildung verstehen wir einerseits, dass in der Lehre Platz für kritische Wissenschaft, Mitbestimmung von Student_innen und breiten Diskurs sein muss und andererseits, dass Bildung allen gleichermaßen, unabhängig von der “sozialen Kasse”,  zugänglich sein muss.

 

Der Begriff der “sozialen Klasse”, der hauptsächlich und zu Beginn vor allem von Karl Marx und Friedrich Engels geprägt wurde, mag mittlerweile bisweilen veraltet erscheinen. Das Phänomen, dass sich Gesellschaften in unterschiedliche Klassen oder auch Schichten teilen, ist aber immer noch Realität. Immer wieder liest und hört mensch, dass die Schere zwischen Arm und Reich auseinander geht. Während das “reichste Prozent” das angehäufte Kapital stetig vermehren kann, muss der Großteil der Bevölkerung schauen, wie er über die Runden kommt. Gut erkennbar ist diese Verteilungsproblematik daran, dass die “unteren 90%” zusammen gerade mal so viel besitzen wie das “reichste Prozent” – eine gerechte Gesellschaft in der alle gut leben können sieht anders aus!

 

Auch in unserem Bildungssystem äußert sich diese Verteilungsungerechtigkeit immer stärker. Hochschulen in Österreich bilden nicht einmal ansatzweise unsere Gesellschaft in all ihrer Vielfalt ab, schau dich einfach mal im Hörsaal um, oder denk an die Eltern deiner Mitstudent_innen,  die soziale Durchmischung fehlt. Vielen Menschen wird  der Zugang zu Bildung verwehrt, sei es beim Übergang ins Gymnasium, die Möglichkeit der außerschulischen Lernmöglichkeiten wie z.B. Nachhilfe oder auch der Sprung von der Matura auf die Hochschule. Vor allem Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, und/oder deren Eltern nicht studiert haben oder die nicht in der Stadt aufwachsen, erfahren hier erhebliche Nachteile und haben zu einem Großteil geringere Chancen, mit Matura abzuschließen und somit überhaupt studieren zu können.

 

Der neoliberale Mainstream führt diese Mechanismen an unseren Hochschulen weiter:

Zugangsbeschränkungen stellen einen dieser Mechanismen dar.

Vielleicht kennst du eine Person in deinem Umfeld, oder vielleicht betrifft es sogar dich, die eigentlich ein anderes Fach studieren wollte, sich aber dann aufgrund von Zugansbeschrängungen dagegen entschieden hat. Hier ist gut zu sehen, wozu Zugangsbeschränkungen auf der einen Seite dienen sollen: zur Abschreckung.

 

Daneben wird  eine weitere gewinnbringende Branche, die der Prüfungsvorbereitungskurse, gestärkt. Neben Testgebühren bis zu 110€, die in keinster Weise gerechtfertigt sind, fließt durch das enorme Angebot an Prüfungsvorbereitungskurse massiv Geld in die Taschen der privaten Anbieter_innen. Das Problem hierbei liegt auf der Hand, wenn du die Kosten von 600-2400€ pro Kurs nicht aufbringen kannst, startest du mit einem Handicap in das Aufnahmeverfahren.

 

Findest du das gerechtfertigt? Wir  finden es nämlich nicht okay, dass hier Personen mit einem guten ökonomischen Background klar ein Vorteil verschaffen wird.

 

Studiengebühren, Unterlagen und Materialien, die für das Studium benötigt werden, aber auch die hohen Wohn- und Lebenskosten in Österreich zwingen viele von uns Studierende dazu, neben dem Studium zu arbeiten.

Laut Studierendensozialerhebung 2016 gehen über 60% aller Studierenden nebenbei Erwerbsarbeit nach. Dadurch ist und bleibt die Mindeststudienzeit im Bachelor von sechs Semestern für viele eine Utopie – wer 20 Stunden pro Woche arbeiten muss, um sich ein Dach über dem Kopf, Essen und eventuell ab und zu ein bisschen Spaß leisten zu können, kann logischerweise nicht so viel Zeit für die Hochschule investieren, wie jemand, dem die Eltern solche essentiellen Dinge finanzieren.

 

Obwohl es in Österreich ein (international vergleichsweise gutes) Beihilfensystem gibt, reicht dies bei weitem nicht aus. Auch wenn die Studienbeihilfe durch das Engagement des VSStÖ gerade erhöht wurde, sind weit davon entfernt, dass mensch sich durch Familienbeihilfe und einer eventuellen Studienbeihilfe ein (halbwegs) gutes Leben leisten kann – meistens müssen die Eltern etwas beisteuern oder du bist bist  auf ein, zwei, drei Nebenjobs angewiesen.

 

Die Politik, will aber von alldem nichts wissen, sondern verfolgt stur ihr Ziel die Hochschulen zu Reproduktionsstätten der Eliten verkommen zu lassen.

Wir werden nie aufhören gegen diese Entwicklungen und für eine freie Bildung für Alle zu kämpfen. Sei auch du teil dieses Kampfes und verändere deine Hochschule.

Du willst etwas verändern? Dann werde aktiv!