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Konzepte, Schwerpunkte und Inhalte des VSStÖ

10 Gründe gegen Zugangsbeschränkungen

#1

Das Medizinstudium ist seit 2006 zugangsbeschränkt. Das Ergebnis davon ist, dass die soziale Durchmischung so schlecht wie sonst kaum ist. Seit der Einführung der Aufnahmeprüfungen ist der Anteil finanziell schwächerer Studierender weiter gesunken und inzwischen mit nun nur mehr 10% deutlich unterrepräsentiert.

 

#2

In Fächern, in denen es Zugangsbeschränkungen und Aufnahmeprüfungen gibt, hat sich eine regelrechte private Prüfungsvorbereitungsindustrie entwickelt. Die Vorbereitungskosten übersteigen dabei sogar die Studiengebühren, die für ein Semester zu bezahlen sind, bei weitem. Diejenigen, die das Geld für solche Kurse nicht aufbringen können, sind weniger gut vorbereitet. Außerdem ergibt sich das Problem, dass gerade Menschen aus sozioökonomische benachteiligten Schichten arbeiten müssen, um sich genug Geld für das Studium zu verdienen. Diese haben somit weit weniger Zeit sich auf solche Prüfungen vorzubereiten als Kinder aus reichem Elternhaus. Beide Gründe führen so zu einem klarer Startnachteil für Menschen aus finanziell schlechter gestellten Schichten.

 

#3

Laut OECD liegt Österreich im Internationalen Vergleich bei der Absolvent_innenquote schon jetzt weit unter dem Durchschnitt. Doch nicht nur die Absolvent_innen- auch die Studienanfänger_innenquoten liegen weit unter dem Schnitt. Nachdem Bildung eine der wenigen Chancen für gesellschaftlichen Aufstieg ist, darf die Quote nicht noch weiter sinken.

 

#4

Die Einführung von Zugangsbeschränkungen und die damit verbundene drastische Kürzung von Studienanfänger_innenzahlen würde vor allem in Zeiten der Krise zu einer massive Erhöhung der Jugendarbeitslosigkeit führen.

 

#5

Akademiker_innen verdienen im Schnitt 60% mehr als Erwerbstätige mit reiner Berufsausbildung. Insgesamt ergibt sich bei Hochschulabsolvent_innen durch die Mehreinnahmen aus Steuern und Sozialabgaben das Dreifache der Kosten ihres Studiums. Akademiker_innen zahlen also im Schnitt mehr zurück, als ihr Studium gekostet hat. Ein höherer Bildungsgrad hat neben einem gesellschaftlichen somit auch einen wirtschaftlichen Mehrwert.

 

#6

In den Medien wird immer vor dem Ansturm der deutschen Studierenden gewarnt. Das ist aber eine falsche Darstellung der Tatsachen, denn die Studierendenströme gehen in beide Richtungen. Im Verhältnis zu den Gesamtzahlen an Studierenden ist der Prozentanteil der Deutschen, die in Österreich studieren geringer als der Anteil der Österreicher_innen, die ihr Studium in Deutschland absolvieren.

 

#7

Gerade Frauen werden durch Zugangsbeschränkungen extrem benachteiligt. Eine derartige Benachteiligung von Frauen beim Zugang zum Studium darf nicht länger geduldet werden.

 

#8

Das Wissenschaftministerium versucht den Mythos zu verbreiten, dass auf Fachhochschulen die soziale Durchmischung dank der Zugangsbeschränkungen viel besser ist. Das ist aber eine bewusst Falschinformation. Viele FH-Studienrichtungen sind als berufsbegleitende Studien konzipiert. Dadurch wird die soziale Selektivität von Studienbeiträgen und Zugangsbeschränkungen durch die ohnehin hohe Erwerbstätigkeit cachiert. Außerdem haben viele FHs in eher ländlichen Gegenden einen Standort. Die Mobilitätsbarriere ist somit viel kleiner. Doch auch in Fachhochschulen sind Studierende aus sozial schwachen Schichten massiv unterrepräsentiert. Etwa nur ein Drittel stammt aus finanziell schlechter gestellten Schichten.

 

#9

Oft wird Argumentiert, dass Studierende doch einfach wo anders hingehen sollten zum Studieren, wenn einzelne Fächer überlaufen sind. Gerade diese geforderte Mobilität stellt aber für viele angehende Studierende ein wesentliches Problem dar, denn vielen fehlt der finanzielle Backround um einfach so von zuhause in eine neue Stadt zu ziehen. Gerade Studierende aus finanziell schlechter gestellten Schichten können sich dort die gesamten Lebenserhaltungskosten oft nicht leisten und müssen so den Traum eines Studiums aufgeben.

 

#10

Das sich angehende Studierende nicht alle für die selber Fächer entscheiden braucht es keine Zugangsbeschränkungen sondern mehr Information schon in der Schule über das breite Studienangebot und eine wirkliche Orientierungsphase am Anfang des Studiums.