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10 Gründe gegen Studiengebühren

#1 Studiengebühren zwingen Tausende zum Studienabbruch
Die Einführung der Studienbeiträge bewirkte eine sinkende Studierendenzahl (- 19,8%): An die 40.000 Studierende mussten ihr Studium abbrechen, weil sie es sich nicht mehr leisten konnten. Der umgekehrte Effekt war nach dem Erlass der Studiengebühren im Jahr 2009 zu beobachten (+ 14,3%). Studiengebühren dienen also nicht, wie von konservativer Seite oft behauptet, zur Abschreckung von Bummelstudent_innen, sondern führen dazu, dass Studierende mit finanziell schlechter gestelltem Hintergrund ohne staatliche Unterstützung aus dem Studium gedrängt werden.

 

#2 Finanzielle Belastung für Studierende – auch ohne Gebühren!

Auf die Studierenden wurden in den letzten Jahren unglaubliche finanzielle Belastungen ab- gewälzt. Die Familienbeihilfe wurde drastisch gekürzt, was für 27.000 Studierende einen Verlust von über 3.000 Euro im Jahr bedeutet, der Zuschuss zur studentischen Selbstversicherung wurde gestrichen, wodurch sich die monatlichen Kosten verdoppelt haben und der Zuschuss des Wis- senschaftsministerium zu den Studierendenheimen wurde gestrichen, was zum Anstieg der Miet- preise um bis zu 80 Euro im Monat zur Folge hatte. Außerdem wurde die Studien- und Familienbei- hilfe seit 2001 nicht mehr an die Inflation angepasst. Studierende sind auch ohne Studiengebühren einer massiven finanziellen Belastung ausgesetzt!

#3 Folgen für Studierende, aber keine Hilfe für Unis

Nach Einführung der Studiengebühren durch Schwarz-Blau im Jahr 2001 wurde das Budget für die Universitäten von öffentlicher Hand um genau jenen Anteil gekürzt, den die Studiengebühren einbrachten. Auch die Teilabschaffung der Studiengebühren hat den Universitäten keinen finan- ziellen Schaden zugefügt, da ihnen der Entfall komplett von staatlicher Seite erstattet wurde und auch noch bis 2015 weiterhin erstattet wird. Studiengebühren hatten also nie wirklich Auswirkun- gen auf die Universitäten sondern nur auf die Studierenden.

#4 Marodes Stipendiensystem

Nur 18% der Studierenden erhalten Studienbeihilfe. Trotz Einführung der Studiengebühren 2001 ist dieser Anteil nicht gestiegen und die Höhe liegt durchschnittlich nur bei 230 Euro. Aufgrund im- mer komplizierterer Vergabeberichtlinien unterliegt die Beihilfenbezugsquote einem klar negativen Trend. Von einer sozialen Absicherung kann also keine Rede sein, die Studienbeihilfe kann auch nicht die Folgen von Studiengebühren abfangen.

#5 Studierende sind nicht reich, wenn dann ihre Eltern

Es ist ein Mythos, „reiche“ Studierende könnten sich Studiengebühren ohnehin leisten. Es gibt keine reichen Studierenden, höchstens reiche Eltern. Diese gilt es über ein verbessertes progres- sives Steuersystem, höhere Spitzensteuersätze und vor allem durch Vermögensteuern zur Kasse zu bitten, anstatt alle Studierende durch Studiengebühren finanziell zu belasten.

#6 Teufelskreis Erwerbstätigkeit, Studienzeit & Beihilfenverlust
Aufgrund hoher Erwerbstätigkeit ergeben sich längere Studienzeiten. Die Überschreitung von Tol- eranzsemestern und der darauffolgende Verlust von Beihilfen führt wiederum zur Notwendigkeit einer höheren Erwerbstätigkeit. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem es nur mehr schwer möglich ist, zu entkommen. Besonders finanziell schwache Studierende sind hierbei betroffen und werden dadurch oft zum Abbruch des Studiums gezwungen.

#7 Zwei Drittel der Studierenden müssen arbeiten
Das Bild des_der Vollzeitstudierenden ist ein Mythos. Laut Studierendensozialerhebung 2009 gibt es Vollzeitstudent_innen nicht mehr – in Wirklichkeit müssen zwei Drittel der Studierenden arbe- iten. Davon geben 75 Prozent an, dass sie nur deswegen einer Erwerbstätigkeit nachgehen, weil sie sich sonst ihren Lebensunterhalt nicht leisten könnten. Das heißt, sie geben den Großteil ihres Einkommens für Wohnen, Essen und Lehrmaterialien aus. Zusätzliche finanzielle Belastungen wie Studiengebühren wären hier weitere große Hürden.

#8 Nein zur Akademiker_innensteuer!
Die Akademiker_innensteuer ist eine nachgelagerte Studiengebühr, die eine erneute Besteuerung des Faktors Arbeit darstellt. Im Gegensatz zu Vermögen ist dieser jetzt schon zu hoch besteuert. Hohe Einkommen und Vermögen sollten – egal ob von Akademiker_in oder nicht – stärker besteu- ert werden. Dazu braucht es eine stärkere Progression, höhere Spitzensteuersätze und vor allem vermögensbezogene Steuern – denn warum sollten Vermögende ohne Abluss weniger besteuert werden, als Akademiker_innen mit mittleren Einkommen?

#9 Schuldenfalle Studienkredite
In der Debatte wird auch immer öfter auf die angeblichen Vorteile von Studienkrediten hingew- iesen, die sich Studierende aufnehmen sollen, wenn sie sich die Gebühren nicht leisten können. So werden aber gerade sozial schwächer gestellte Studierende, die auf einen Kredit angewiesen sind, in die finanzielle Abhängigkeit getrieben und starten mit einem Schuldenberg ins Berufsleben – oder beginnen erst gar kein Studium, weil sie (berechtigte) Angst vor solch einer Schuldenfalle haben.

#10 Nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein

Studiengebühren machen lediglich 0,022 Prozent am Universitätsbudget aus. Damit können keine zusätzli- chen Kapazitäten oder Lehrstellen geschaffen werden. Sie haben also für das Budget der Uni- versitäten keine wirkliche Auswirkungen und

treffen somit nur die Studierenden – mit aller Härte.